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Die kulturelle Gestaltungsmacht des Weimarer Staates

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Zusammenfassung

Der enge Zusammenhang zwischen Politik und Kultur bestand in der Weimarer Republik durchaus nicht allein aus der Unterdrückung unliebsamer kultureller Aktivitäten und Einrichtungen, sondern auch aus der staatlichen Kultur-förderung. Die »geistigen Mächte« waren gesellschaftspolitisch viel zu einflußreich, als daß die Regierungen des Reiches und der Länder es sich hätten leisten können, ihre Wirkungsmacht nicht auch in der einen oder anderen Form zu nutzen. Carl Heinrich Becker umschrieb als Staatssekretär im preußischen Kultusministerium schon in einer 1919 erschienenen Denkschrift die kulturpolitischen Aufgaben des Staates als »eine bewußte Einsetzung geistiger Werte im Dienste des Volkes oder des Staates zur Festigung im Innern und zur Auseinandersetzung mit anderen Völkern nach außen.«1 Gerade in den Linksparteien hat niemand die Ansicht vertreten, der Staat habe die Kultur sich selbst zu überlassen. In der Bildungspolitik zum Beispiel kämpften die Sozialdemokraten für die Einheitsschule als die wirksamste Garantie einer die Klassengesellschaft überwindenden Gleichheit unter den Deutschen. Die von Berufsverbänden in den zwanziger Jahren immer erneut erhobenen Forderungen nach einer verstärkten staatlichen Unterstützung notleidender Künstler, das Ersuchen der Filmindustrie um gesetzliche Maßnahmen gegen die Einfuhr billiger ausländischer Filme und der Ruf der deutschen Volksbibliothekare nach einer zureichenden Finanzierung des öffentlichen Büchereiwesens sind Beispiele dafür, daß auch vonseiten gesellschaftlicher Gruppen vom Staat zuweilen ein Maß an Verantwortung im kulturellen Bereich erwartet wurde.

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Quellen und Anmerkungen

  1. 3.
    Vgl. Wolfgang Thauer, Hrsg. Die Öffentliche Bücherei der Weimarer Zeit. Quellen und Texte, Wiesbaden: Otto Harrassowitz, 1984.Google Scholar
  2. 4.
    Vgl. Wolfgang Schmitz, Deutsche Bibliotheksgeschichte (Bern: Peter Lang, 1984), S. 151–154.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1995

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