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Weimar/Jena: Macht und Geist Während Einer Trügerischen Friedenszeit (1796–1806)

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Zusammenfassung

Es ist unwahrscheinlich, daß Goethe Carl Augusts beträchtliche persönliche Leistung für den »Frieden von Weimar« (Hans Tümmler) interessiert verfolgte. Vielleicht wurde er auch einfach über die auswärtige Politik des Fürsten unzureichend informiert. Seine Äußerung in den Tag- und Jahresheften 1795 über diesen Punkt ist auffallend kurz und konventionell1: »Nun verlauteten die Baseler Friedens-Präliminarien und ein Schein von Hoffnung ging dem nördlichen Deutschland auf. Preußen machte Frieden, Österreich setzte den Krieg fort, und nun fühlten wir uns in neuer Sorge befangen; denn Chursachsen verweigerte den Beitritt zu einem besondern Frieden. Unsere Geschäftsmänner und Diplomaten bewegten sich nun nach Dresden, und unser gnädigster Herr, anregend alle und thätig vor allen, begab sich nach Dessau.« Man kann verstehen, daß Goethe nach den Plagen im ersten Koalitionskrieg und nach den literarischen Belehrungen des Fürsten, die praktisch in eine Zensur ausarteten, Abstand vom Hofe gewinnen wollte, auch wenn er dadurch an Einfluß verlor. Diese Hofmüdigkeit ist an Goethes immer häufigeren Aufenthalten in Jena klar abzulesen (vgl. sein Tagebuch). Die akademische Freiheit und die zwanglosen akademischen Gespräche taten dem Höfling wohl. Während er in Weimar immer wieder »aufwarten« mußte, beim Herzog, bei der regierenden Herzogin Luise, bei der Herzogin-Mutter Anna Amalia — eine Einladung war ein Befehl —, gehörte in Jena der ganze Tag ihm selbst und den Freunden, von denen er Belehrung, Ermunterung wie auch Unterhaltung erwartete.

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Notizen

  1. 1.
    Tag- und Jahreshefte 1795, Th. 1. = Weimarer Ausg. Bd. 35, S. 51. Vgl. aber H. Tümmlers Aufsatz »Der Friede des klassischen Weimar« im Goethe-Jahrbuch N.F. 10. (1947), S. 191–218.Google Scholar
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