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Revolution in Frankreich — Goethe in Deutschland

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Zusammenfassung

Das Thema bringt zwei Faktoren von historischer Bedeutung zusammen: die Revolution, die ein Springquell fast aller sozialpolitischen Entwicklungen im Europa der letzten zweihundert Jahre war, und die ihr gleichzeitige deutsche Literatur, die — zumindest durch Goethe — den damaligen europäischen Epochenumbruch dichterisch repräsentiert, die aber in plötzlicher oder allmählicher Abwendung von der Revolution ihre Eigenart entfaltet. In Frage steht damit der widersprüchliche Zusammenhang epochaler Wirkungsmächte, der politischen und der literarischen, und dies am Beispiel zweier ihren sozialkulturellen Auswirkungen nach inkommensurabler Phänomene. Für die Berechtigung dieser Frage gibt es ein eindeutiges Zeugnis von Goethe selbst. Es steht in einem Aufsatz vom Beginn der zwanziger Jahre (»Bedeutende Fördernis durch ein einziges geistreiches Wort«):»[…] die grenzenlose Bemühung dieses schrecklichste aller Ereignisse in seinen Ursachen und Folgen dichterisch zu gewältigen«, sei »die vieljährige Richtung« seines »Geistes« gewesen; »die Anhänglichkeit an diesen unübersehlichen Gegenstand« habe »so lange Zeit her« sein »poetisches Vermögen fast unnützerweise aufgezehrt«2. Nahezu jedes Wort dieses Bekennntnisses setzt Markierungspunkte: »Richtung des Geistes«, »grenzenlose Bemühung«, »dieses schrecklichste aller Ereignisse«, »diesen unübersehlichen Gegenstand«, »gewältigen«. Hier ist von einer durch übermäßige Erregung erzeugten Anstrengung aller Kräfte die Rede, die nicht zu einem endgültigen Ergebnis konnen konnte.

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