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Schillers Versuch, eine neue Kunststrategie theoretisch zu begründen

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Zusammenfassung

Die ethisch-philosophischen Auffassungen, zu denen Schiller am Ende der 80er Jahre gekommen war, hatten seine Reaktion auf die Ereignisse in Frankreich prädisponiert. Der Bastille-Sturm mußte ihm zunächst als Akt der Vernunft und als Triumph menschlichen Freiheitsstrebens erscheinen. Er freute sich über die »Zertrümmerung eines Monumentes finstrer Despotie«, glaubte an die Möglichkeit »des Siegs der Freiheit über die Despotie«1 und entsetzte sich, als Charlotte von Stein die Mitglieder des Convents kurzweg unter die Räuber zählte.2 Ganz im Sinne seines moralisch-politischen Ethos verstand und begrüßte er die Revolution als Angriff auf einen historisch überlebten, menschenerniedrigen und vernunftfeindlichen Despotismus. Aber sein moralphilosophisches Ethos machte es ihm dann schwer, mit den weiteren Geschehnissen in Frankreich zu sympathisieren. Schon sehr früh äußerte er Zweifel, ob sich das französische Volk »echt republikanische Gesinnungen«3 zu eigen machen und ob demokratische Institutionen vernünftige Beschlüsse fassen können4. Er meinte schließlich das Entstehen eines anarchischen, Gewalttätigkeiten aller Art herausfordernden Gesellschaftszustandes zu beobachten. 1793/94 war sein abschätziges Urteil fertig. Ein Freund Schillers wußte zu berichten, für den Dichter habe es damals bereits festgestanden, daß die republikanische Verfassung Frankreichs »früher oder später in Anarchie übergehen« werde: Das »einzige Heil der Nation« sei, daß ein »kräftiger Mann erscheine«, der »wieder Ordnung einführe, und den Zügel der Regierung fest in der Hand halte«5.

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Referenzen

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

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