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Schillers »Dom Karlos« oder über die Gründe für eine neue literarische Strategie

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Zusammenfassung

Die literarische Strategie, die der Sturm-und-Drang-Autor Friedrich Schiller als ein ihn verpflichtendes Modell dichterischer Produktivität proklamierte und schreibend zu befolgen versuchte, hatte ihn schon vor der Revolution in geistige und damit auch literarisch-praktische Schwierigkeiten verwickelt. Der junge Dramatiker war auf die welt- und geschichtsregulierende Macht der Moral als das Humanum seiner religiös begründeten Geschichtsteleologie eingeschworen. Die Philosophischen Briefe, die — 1786 erschienen — einen ihn seit der Karlsschulzeit beunruhigenden Problemkomplex zur Diskussion stellten, rekapitulieren die Weltvorstellung seiner Jugend: »Das Universum ist ein Gedanke Gottes. Nachdem dieses idealische Geistesbild in die Wirklichkeit hinübertrat, und die gebohrene Welt den Riß ihres Schöpfers erfüllte […], so ist der Beruf aller denkenden Wesen in diesem vorhandenen Ganzen die erste Zeichnung wieder zu finden, die Regel in der Maschine, die Einheit in der Zusammensetzung, das Gesetz in dem Phänomen aufzusuchen und das Gebäude rükwärts auf seinen Grundriß zu übertragen.«1 Zur Zentralkategorie dieser Kosmologie wurde »Liebe«: »das schönste Phänomen in der beseelten Schöpfung, der allmächtige Magnet in der Geisterwelt, die Quelle der Andacht und der erhabensten Tugend«2. Aus solcherart religiös-moralischem Ethos entwickelte Schiller die Strategie, die er in dem 1784 gehaltenen Vortrag Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? programmatisch explizierte.

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Referenzen

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    Vgl. Tadeusz Namowicz: Schillers Schriften zur Geschichte in komparatistischer Sicht. In: Helmut Brandt (Hrsg.): Friedrich Schiller/Angebot und Diskurs. Berlin und Weimar 1987, S. 105.Google Scholar
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    Ebd., 374. Vgl. Eberhard Scheiffele: Belangbarkeit. Zu Schillers »Antrittsrede«. In: Verantwortung und Utopie. Hrsg. v. Wolfgang Wittkowski. Tübingen 1988.Google Scholar
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    Helmut Koopmanns neuerdings unternommener Versuch, den »Don Karlos« ideell auf das Grundmuster der Familientragödie einzuschränken, wird daher der Struktur der Dichtung nicht gerecht. Vgl. Helmut Koopmann: Don Karlos. In: Schillers Dramen, Neue Interpretationen. Hrsg. v. Walter Hinderer. Stuttgart 1979, S. 87–108. S. dazu auchGoogle Scholar
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    Vgl. Hans-Georg-Werner: Zur poetologischen Funktion der Verssprache im »Don Carlos«. In: Hallesche Studien zur Wirkung von Sprache und Literatur. Hrsg. v. Thomas Höhle u. a., VI. Halle, 1985.Google Scholar

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