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Büchners aufrührerischer Materialismus. Zur geistigen Struktur von »Dantons Tod«

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Zusammenfassung

Das Vorhaben, philosophische Probleme eines künstlerischen Textes zu erörtern, hat Literaturwissenschaftler und Philosophen immer wieder dazu verführt, vor allem der Frage nachzugehen, in welchen philosophiegeschichtlichen Zusammenhängen die in der Dichtung ausdrücklich benannten weltanschaulichen Überzeugungen stehen. Die Neigung dazu wird um so stärker sein, wenn der Text mit philosophischem Gedankengut derart vollgestopft ist wie Dantons Tod. Doch kann ein solches Vorgehen nicht allzu weit führen. Es hat die problematische Prämisse, daß der philosophische Sinn einer Dichtung auch in philosophischer Sprache artikuliert sei. Diese zweifelhafte Annahme ist der Grund dafür, daß viele Philosophen selbst in großen Dichtungen nur Erkenntnisse entdecken zu können meinen, die von der philosophischen Zunft früher und schärfer formuliert worden sind. Sie verdrängen auf diese Weise den Gedanken, daß die philosophische Bedeutung von Dichtung in Fragen, Befürchtungen, Ahnungen, Einsichten liegen könnte, die begrifflich noch nicht formulierbar waren oder die begrifflich überhaupt nicht angemessen faßbar sind, weil sie in der Sprache der Philosophie notwendigerweise eine starre, endgültige Form annehmen, während das Wesentliche dieser Fragen, Befürchtungen, Ahnungen in ihrem immer wieder neu herausfordernden Charakter besteht.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

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