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Verteufelt human Über den Zusammenhang zwischen Goethes »Iphigenie« und Grillparzers »Goldenem Vließ«

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Zusammenfassung

Wer Goethes Einfluß auf die österreichische Literatur untersuchen will, kann sehr verschiedenes im Sinn haben: Denkanstöße, poetische Anregungen, Vermittlung von Motiven, Techniken, Einfällen, Prägung von Haltungen und Gestaltungsweisen, schließlich auch Abstoßung. Im Mittelpunkt der folgenden Erörterungen soll ein besonderer Aspekt des Phänomens »Einfluß« stehen, der oftmals schwer faßbar ist, aber ebensooft für das Verhältnis gerade der Großen in der Literatur zueinander besondere Bedeutung hat: die künstlerisch-praktische Wechselwirkung zwischen dem als musterhaft oder sogar kanonisch geltenden Werk aus der literarischen Tradition und dem neuen, innovatorischen Werk, das seine Traditionsbeziehung zu dem älteren nicht verleugnet, aber durch sich selbst dessen musterhaften, kanonischen Charakter in Frage stellt. Der Einfluß der älteren Dichtung äußert sich in solchem Falle in der Entgegengesetztheit der jüngeren; sein Charakter ist dann daran ablesbar, wie sich das jüngere Werk im Wirkungsraum des älteren behauptet, es auf diese Weise in eine neue ideell-literarische Dimension rückt und also einen bestimmten Komplex der literarischen Tradition umstrukturiert. Unter diesem Gesichtswinkel zeigen die Beziehungen zwischen zwei solchen literarischen Schöpfungen, die noch in einer sie verbindenden Tradition stehen, ihren untergründigen Dialog. Das Angebot der einen wird mit Zustimmung und Skepsis, durch Nachfolge und Abkehr, durch Bewahrung und Neuerung beantwortet.

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Referenzen

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