Advertisement

Ernst Moritz Arndts »Reisen durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs in den Jahren 1798 und 1799«

Chapter
  • 40 Downloads

Zusammenfassung

Als Ernst Moritz Arndt im Frühjahr 1798 seine Reise durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs antrat, hatte er eben eine lebensbestimmende Entscheidung getroffen. Der examinierte Theologe, der seit 1796 als Hauslehrer tätig war und dem sich die Möglichkeit zur Einheirat in eine Pfarre bot, schrieb im Mai 1798 seinem Vater: »Ich werde nun und nimmer, wie die Sachen stehen, kein Pfarrer.«1 Das war eine weltanschauliche Entscheidung -Arndt meinte später, er sei »von der allgemeinen theologischen Lauigkeit der Zeit ergriffen« gewesen — und zugleich eine soziale Entscheidung gegen die »fetten rügenschen Pfründen«, »deren mehrere bei den damaligen Kornpreisen 2000 und 3000 Taler schwer Geld eintrugen, deren Inhaber Gerichtsherren ihrer Kirchdörfer waren, mit vier schwarzen Rappen vom Bock fuhren und sich Kirchherren schrieben«2. Die gleich darauf begonnene Europa-Reise war also der Beginn einer neuen Sozialisation: Sie hatte für Arndt den Zweck, sich aus alten Bindungen freizumachen. Die Beschreibung dieser Reise reflektiert allerdings nicht primär, wie der Reisende die Probleme seines individuellen Lebens bewältigt und wie er sich dadurch neue Handlungsräume öffnet, sondern sie beschränkt sich im wesentlichen auf die Vermittlung von Reiseerfahrungen. Der Literaturhistoriker stößt somit von vornherein auf ein Problem der Typologisierung von Reisen und Reisebeschreibungen: Der Sinn einer Reise und die Tendenz ihrer Darstellung können divergieren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Referenzen

  1. 3.
    Vgl. Wolfgang Griep: Reisen und deutsche Jakobiner. In: Reise und soziale Realität am Rande des 18. Jahrhunderts, hrsg. v. Wolfgang Griep u. Hans-Wolf Jäger. Heidelberg 1983, S. 55–63.Google Scholar
  2. 13.
    Vgl. Gerhard Loh: Arndt-Bibliographie. Greifswald 1969, S. 32 ff.Google Scholar
  3. 14.
    Ernst Bloch: Tübinger Einleitung in die Philosophie. In: E.B.: Werkausgabe, Bd. XIII (suhrkamp taschenbuch Wissenschaft 562). Frankfurt/M. 1985, S. 49.Google Scholar
  4. 30.
    Rainer S. Elkar: Reisen bildet. In: Reisen und Reisebeschreibung im 18. und 19. Jahrhundert als Quellen der Kulturbeziehungsforschung, hrsg. v. B.I. Krasnobaew u. a.. Berlin 1980, S. 52.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations