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Der Ästhet in der Sowjetunion: Lion Feuchtwanger oder: Ein Schöngeist wettert gegen seine Zunft

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Zusammenfassung

Wie sehr Feuchtwanger sein Buch Moskau 1937 als einen “Anti-Gide” verstanden wissen wollte, kann man unter anderm daraus ersehen, daß er im WORT einen an sich grotesken Brief einrücken ließ, den er von einem ungenannt bleibenden Kommunisten erhalten hat.2 Dieser “polnische Leser” schreibt ihm, im Gefängnis, in dem er eingesessen habe, hätten sich die Häftlinge gegenseitig den Inhalt geliebter Bücher erzählt; so habe er Feuchtwangers Erfolg kennengelernt. In jener Zeit seien in dem Zuchthaus aber auch Gerüchte umgegangen: Radek sei verurteilt, Bucharin verhaftet, Tuchatschewski erschossen worden. Nicht einen Augenblick hätten sie gewankt, ihr Vertrauen zur Partei Lenins und Stalins sei unerschütterlich gewesen. Man war auch sicher, die “Werktätigen” dächten genauso; nur eines machte ihnen Kummer: würden auch “die Intellektuellen, die »geistige Elite« … begreifen, daß wahre Humanität die Pflicht auferlegt, auch töten zu verstehen? Wir wußten von Gides Abfall…” Die große Sorge jener Männer im Kerker: “Was sagt jetzt Feuchtwanger? Das Buch »Erfolg« ist ein Kampf ums Recht. Wird er einsehen können, daß wir, daß gerade wir Recht üben?” Wieder in Freiheit, las der Briefschreiber dann die “Entgegnung an Gide”, und nun will er seinen Dank sagen, “daß der Schriftsteller, der mir und meinen Kameraden in der dunklen Arrestzelle zum Freund geworden ist, daß dieser Freund uns nicht getäuscht hat.” Diesen Schmarren, auf gut bayerisch gesagt, hat Feuchtwanger tatsächlich drucken lassen.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

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