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Die verwegene Schule der Romantik

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Zusammenfassung

Schon Tiecks Romanfigur William Lovell wütete im Unterholz existentialer Nichtung. Er ist der erste konsequente Vertreter des romantischen Nihilismus, der erste Nihilist in der deutschen Literatur. Es überrascht nicht, daß Tieck bei Fichte in die Lehre ging, sein Lovell ist die Literarisierung der offenkundig falsch verstandenen Wissenschaftslehre (Hauptwerk Fichtes, ab 1794 erschienen). Aber wie es oft geht, das in der Sache falsche Verständnis trifft den Nagel auf den Kopf. Die Zeitstimmung hat ihren Ausdruck gefunden, die Heimatlosigkeit des Geistes wird zum Thema.10 Der Verlust des metaphysischen Bezugsfeldes hat die schwerwiegendsten Irritationen zur Folge. Das romantische Gelächter hört jetzt nicht mehr auf. Dieses schaurige Gelächter über das Nichts, tönend über die Bodenlosigkeit des Daseins hin. Nicht nur der Boden entzieht sich diesen Menschen, seit sie das Erdbeben spüren; das Fundament der Wirklichkeit zerbricht, seit die göttlichen Werte ins Wanken geraten sind; es entzieht sich ihnen der gesamte Orientierungsraum. Die Geborgenheit in einer sinnvoll gedachten und geglaubten Welt geht verloren. Von einer Krise zu sprechen, ware Verharmlosung angesichts des entsetzlichen Sturzes, der hier geschieht.

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Notizen

  1. 10.
    Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Literaturwissenschaft das Phänomen übersehen. Ein erster Zugriff gelang 1953 Werner Kohlschmidt. Sein Aufsatz Nihilismus der Romantik wurde grundlegend für die Forschung. U. a. nachgedruckt in: Der Nihilismus als Phänomen der Geistesgeschichte in der wissenschaftlichen Diskussion unseres Jahrhunderts. Hrsg. Dieter Arendt. Darmstadt 1974. Ausgeführt wurde das Thema von Dieter Arendt: Der poetische Nihilismus in der deutschen Romantik. Tübingen 1972. (Beide Publikationen mit Bibliographie.)Google Scholar
  2. 11.
    Ursprünglich: »Des toten Shakespeares Klage unter toten Zuschauern in der Kirche, daß kein Gott sei.« (Abakadabra oder die Baierische Kreuzerkomödie. 1789)Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1991

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