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Mythos Zu Lebzeiten?

Selbst- und Fremdbilder in den Briefen und Briefromanen Franziska zu Reventlows
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Part of the Ergebnisse der Frauenforschung book series (ERFRAU)

Zusammenfassung

«In dieser Frau begegnete mir, gestaltet und verkörpert, das Element nordischen Heidentums in unvermischter Reinheit, strahlend, unbesieglich und eine Verheißung (...)«, so schreibt Ludwig Klages’ über seine Begegnung mit Franziska zu Reventlow, und wie er haben mit je wechselnden Attributen viele über diese Frau geschrieben. Zeitgenossen, Freunde, Liebhaber, Lebensgefährten haben sie in ihren autobiographischen Zeugnissen verewigt, andere machten sie zur literarischen Heldin, zum Motiv in ihren Romanen, Erzählungen oder Schauspielen: Oskar H.A. Schmitz, Thomas Mann, Frank Wedekind, Franz Hessel.2

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zitiert nach: Hans Eggert Schröder: Ludwig Klages — Die Geschichte seines Lebens. Bonn 1966, S.270. Die außergewöhnliche Bedeutung, die Franziska zu Reventlow für den Zivilisationskritiker, Graphologen und Begründer der Charakterkunde Ludwig Klages hatte, spricht auch aus den Sätzen, die den zitierten folgen: »A1les, was ich zuvor von Frauen sah und erlebte, verblaßte und versank (ausgenommen die Gestalt meiner Schwester), und hier nun warf meine Seele Anker (...) Man konnte das nicht Verliebtheit nennen, kaum auch nur Liebe: es knüpfte sich von mir aus ein metaphysisches Band (wie auf anderer Ebene mit den Mysterien Bachofens).« Ebd., S.271.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. u.a. Thomas Mann: Beim Propheten. In: ders.: Gesammelte Werke in 12 Bänden. Bd.8. Frankfurt/M. 1960; Oskar A. H. Schmitz: Wenn wir Frauen erwachen... Ein Sittenroman aus dem neuen Deutschland. München, Leipzig 1912; Frank Wedekind: Erdgeist. In: ders.: Gesammelte Werke. Bd.3. München 1920; Franz Hessel: Der Kramladen des Glücks. Frankfurt/M. 1983 (Erstausgabe: Frankfurt/M. 1913). Als Vorbild für eine literarische Figur fungiert Franziska zu Reventlow auch in Heinrich Manns Roman Die Jagd nach Liebe sowie in Ernst von Wolzogens Das dritte Geschlecht. Google Scholar
  3. 3.
    Auch diese Formulierung stammt von L. Klages. Vgl. Else zu Reventlow: Tagebücher 1895— 1910. Frankfurt/M. 1976, S.17.Google Scholar
  4. Franziska zu Reventlows zu ihrem Kind gelten: >>Mein Kind soll keinen Vater haben, nur mich,Google Scholar
  5. und mich ganz.« In: dies.: Tagebücher, S.58 (18. Mai 1897).Google Scholar
  6. 5.
    Zu Ludwig Klages vgl. insbes. die in Anm.1 zitierte Arbeit von H. E. Schröder.Google Scholar
  7. 6.
    Vgl. Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Zwischen Rilke und Hitler — Alfred Schuler. In: Zeitschrift fürGoogle Scholar
  8. Vgl. die Ausführungen von H. E. Schröder: Franziska Gräfin zu Reventlow. Schwabing um die Jahrhundertwende. (Marbacher Magazin 8) Marbach/N. 1978.Google Scholar
  9. 8.
    Vgl. Ludwig Klages: »‘Heidnisch’ bedeutet uns nicht ein Stück Geschichte, sondern der Glaube an die außerpersönliche Wirklichkeit des glühenden Augenblicks«. Zitiert nach: Schröder: Franziska, S.11. Vgl. auch: Wolfdietrich Rasch: Aspekte der deutschen Literatur um 1900. In: ders.: Zur deutschen Literatur seit der Jahrhundertwende. Gesammelte Aufsätze. Stuttgart 1967, S.l-48. Sowie: ders.: Die literarische Decadence um 1900. München 1986.Google Scholar
  10. 9.
    Vgl. Johannes SzCkely: Franziska Gräfin zu Reventlow. Leben und Werk. Mit e. Bibliogr. (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft 276) Bonn 1979, S.44ff.Google Scholar
  11. 10.
    Neben der bereits erwähnten Arbeit von Helmut Fritz (vgl. Anm.4) siehe auch: Johann Albrecht von Rantzau: Zur Geschichte der sexuellen Revolution. Die Gräfin Franziska zu Reventlow und die Münchener Kosmiker. In: Archiv für Kulturgeschichte 56 (1974), S.394–446. Einen überblick über vergleichbare Tendenzen bei anderen Schriftstellerinnen bietet der in der Bewertung nicht immer überzeugende Aufsatz von Hiltrud Gnüg: Erotisch — emanzipatorische Entwürfe. Schriftstellerinnen um die Jahrhundertwende. In: Hiltrud Gnüg, Renate Möhrmann (Hg.): Frauen-Literatur-Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Stuttgart 1985, S.260–280.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Marlis Gerhardt: Franziska zu Reventlow oder der Zauber der Boheme. In: dies.: »Kein bürgerlicher Stern, nichts, nichts konnte mich je beschwichtigen.« Zur Kränkung der Frau. Neuwied 1982, S.91–113.Google Scholar
  13. 14.
    Franziska zu Reventlow: Romane. Hg. von Else Reventlow. München, Wien 1976; Franziska zu Reventlow: Autobiographisches. Hg. von Else Reventlow. München, Wien 1980.Google Scholar
  14. 15.
    Franziska Gräfin zu Reventlow: Briefe 1890–1917. Hg. von Else Reventlow. Mit e. Nachw. von Wolfdietrich Rasch. München, Wien 1975 (zitiert wird nach der 1977 im Fischer-Verlag, Frankfurt/M., erschienenen Taschenbuchausgabe). Franziska Gräfin zu Reventlow: Tagebücher 1895–1910. Hg. von Else Reventlow. München, Wien 1971 (Taschenbuchausgabe im Fischer Verlag 1981).Google Scholar
  15. 16.
    Die Briefe von Klages an Franziska zu Reventlow sind anders als diejenigen an ihn nicht vollständig ediert und nur durch Zitatauszüge in der erwähnten Arbeit H. E. Schröders (vgl. Anm.1) sowie in fragmentierter Form zugänglich in Ludwig Klages: Rhythmen und Runen. Aus dem Nachlaß hg. von ihm selbst. Leipzig 1944. Vgl. darin: Aus Briefen an die Freundin. 1900–1902, S.509–524.Google Scholar
  16. 23.
    Über ihre Kindheitserlebnisse sowie die Schrecken, die vor allem der alltägliche Umgang mit ihrer Mutter bedeutete, berichtet Franziska zu Reventlow immer wieder in der Korrespondenz mit ihrer großen Jugendliebe Emanuel Fehling. Vgl. ebd., S.11ff.Google Scholar
  17. 26.
    Franziska zu Reventlow: Ellen Olestjerne. Mit e. Nachw. von Gisela Brinker-Gabler. Frankfurt/M. 1985. Das abschätzige Urteil über den Erstling ist einer Tagebuchaufzeichnung vom 21. Mai 1904 zu entnehmen; die zitierte Äußerung berichtet Erich Mühsam: Namen und Menschen. Berlin 1977, S.147.Google Scholar
  18. 34.
    Vgl. ebd., S.343. Den Äußerungen dieses Briefs ließen sich viele ähnlichen Inhalts hinzufügen, und auch Tagebucheintragungen bestätigen das Bild, wenn es heißt: Warum fühle ich das Leben herrlich und intensiv, wenn ich viele habe? Immer das Gefühl, eigentlich gehöre ich allen.« Dies.: Tagebücher, S.42.Google Scholar
  19. 39.
    Vgl. die Hinweise in Anm.16 sowie die präzisen Angaben über den Klages-und ReventlowNachlaß. In: Székely: Franziska zu Reventlow, S.315–320.Google Scholar
  20. 42.
    Vgl. Székely: Franziska zu Reventlow, S.206–209.Google Scholar
  21. Franziska zu Reventlow hat als Privatsekretärin, Masseurin, Übersetzerin und immer wieder auch als Schriftstellerin Geld zu verdienen versucht. Und auch mit einem kleinen Unternehmen hat sie es versucht: Sie pachtete einen Milchladen, mit dem sie die Schwabinger Bohémiens in den Genuß eines gesunden Getränks und sich ins Glück einer sicheren und seriösen Einnahme bringen wollte. Mit diesem Unternehmen befindet sie sich übrigens in guter Tradition: Max Stirner hatte vor ihr bereits die Berliner Bohème durch eine große Milchgenossenschaft gesund und für sich selbst lukrativ zu ernähren versucht. Wie er scheiterte auch Franziska zu Reventlow nach wenigen Tagen; in Kübeln unverkäuflich gewordener Milch droht sie zu ertrinken, auch der Versuch, die gegorene Milch zu Punsch zu verarbeiten, mißlingt. Es gelingt aber eine kleine Erzählung, die unter dem Titel Das gräfliche Milchgeschdit in der Neuen Rundschau erscheint und honoriert wird. Vgl. Reventlow: Autobiographisches, S.416–428.Google Scholar
  22. 51.
    Insbes. der Roman Herrn Dames Aufzeichnungen — oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil vermag diese These zu stützen. In: Reventlow: Romane, S.99–250. Vgl. dazu die Ausführungen bei Székely: Franziska zu Reventlow, S.73ff. sowie Fritz: Die erotische Rebellion, S.136ff. und Schröder: Franziska, S.21ff.Google Scholar

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