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Leben Schreiben. Stationen weiblicher Selbstvergewisserung

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Zusammenfassung

Die Abbildung, die hier die Stelle des Mottos vertritt, zeigt das Selbstportrait eines selbstbewußten Künstlers auf der Höhe seiner Meisterschaft. Wer auf einem Gang durch das Kopenhagener Thorvaldsen-Museum der monumentalen Skulptur des vielleicht repräsentativsten Bildhauers der Kunstperiode sich plötzlich konfrontiert sieht, den trifft der Schock einer zwingenden allegorischen Präsenz. Man erblickt nicht ein Werk der Bildhauerkunst, man erblickt den Inbegriff des klassischen Künstlers. Thorvaldsen, sich auf seine Statue der Hoffnung lehnend — das ist der herrscherliche Bildner, ausgestattet mit den Insignien seiner Kunst, Hammer und Meißel, seiner Gewalt über den Stoff, aus dem das Werk hervorgehen soll, bewußt. Seine weit geöffneten Augen blicken in die Nachwelt, nicht auf die Statue, an der er arbeitet. Wenn die zarte weibliche Figur, an deren Gesicht und Händen noch die letzten Meißelzüge fehlen, vollendet sein wird, wird sic das Werk des Künstlers vermehren wie seinen Ruhm. Frei, wie aus dem Nichts gesprungen, reine Form, wird sie erscheinen und ein vom Leben ihres Schöpfers getrenntes Dasein führen. Der Bildhauer und sein Werk gehören getrennten Sphären an, sobald der Akt des Formens abgeschlossen ist. Unverhüllt gibt Thorvaldsens spätes Selbstportrait das Wesen der Kunst als eines von Herrschaft zu erkennen; diese zeigt sich als Gewalt des Künstlers über den Stoff, als Unterdrückung der eigenen Subjektivität, die ins Werk nur eingeht als Arbeit an der Form, schließlich als Ausgrenzung der Frau, die nur als zu formender Gegenstand des Künstlers ins Bild kommt.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1990

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