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Gewaltsame Enträtselungen Exaltierter Projektionen des Ich

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Zusammenfassung

Der Moment, in dem Penthesilea gesteht: »Zum Tode war ich nie so reif als jetzt.« (V. 1682), ist zugleich der ihrer befreiendsten Glückserfahrung. Hier meint sie, in einem »Strom der Lust« (V. 1675) die dunklen Seiten ihres Wesens der Vergessenheit preisgeben zu können, indem sie Prothoes, ihrer fürstlichen Freundin Warnung ignoriert: »Freud ist und Schmerz dir, seh ich, gleich verderblich, / Und gleich zum Wahnsinn reißt dich beides hin.« (V. 1665f.) Die Gewalt der (momentan) verkannten Ambiguosität[1] ihrer Daseinsverfassung wird entsetzlich auf Penthesilea selbst und den Gegenstand ihrer gesetzesverachtenden Liebe zurückschlagen, wenn sie erkennen muß, welcher Täuschung sich ihr Glück verdankt. Was ihr selbst und ihrer Mitwelt bis dahin noch verrätselt[2] war, die zerstörerische Einheit von maßloser Liebesleidenschaft und Hingabe — eingefangen von symbolischen Bildern der Jagd — in ihrem dem Amazonengesetz versprochenen Wesen, wird sich in einem einzigen Moment sich ›versehenden‹ Begehrens (V. 2981) vor aller Augen in seiner wahren Gewalt enthüllen: »Küsse, Bisse, / Das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, / Kann schon das eine für das andre greifen.« (V. 2981–2983)

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1989

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