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Kulturpessimismus und Ironie

Wilhelm Buschs Erzählung »Eduards Traum«
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Zusammenfassung

»Ein Buch«, so heißt es am Ende von Wilhelm Buschs Erzählung Eduards Traum aus dem Jahre 1891, »ein Buch, wenn es so zugeklappt daliegt, ist ein gebundenes, schlafendes, harmloses Tierchen, welches keinem was zuleide tut. Wer es nicht aufweckt, den gähnt es nicht an; wer ihm die Nase nicht grad zwischen die Kiefern steckt, den beißt’s auch nicht« (IV, 201) Eine klassische conclusio in der rhetorischen Tradition der captatio benevolentiae: Das Wohlwollen des Lesers, seine Nachsicht wie seine Vorsicht, wird erheischt zum Abschluß eines Textes, der nichts Geringeres vorstellt als eine Bilanz des sichtlich seinem Ende sich zuneigenden 19. Jahrhunderts. Wilhelm Busch erzählt die Gesichte von »Eduards Traum«, die Geschichte einer geträumten Weltenfahrt inmitten einer so abgründigen wie gefahrvollen Wirklichkeit, deren Widrigkeiten Eduard, das Traum-Ich, mit knapper Mühe nur zu entkommen vermag. Ein eher verstörendes Stück Prosa, dem man Harmlosigkeit, gar Schläfrigkeit nicht eben zusprechen möchte — was also will diese concluslo? Den Leser warnen vor der Lektüre des Werks? Oder ihn zum Lesen gerade herausfordern? Die Wirkung von Büchern herunterspielen? Oder auf ihre Gefährlichkeit hinweisen — wenn sie denn gelesen werden? Daß das Buch »gähnen« kann, aber auch »beißen«, wird nicht bestritten. Soll man ihm also nahekommen oder besser sich fernhalten?

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1989

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