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Goethes Nekrolog ›Zu Brüderlichem Andenken Wielands‹

Die gesellschaftliche und historische Situation
Chapter

Zusammenfassung

Wenn man sich in der deutschen Publizistik nach dem 20. Januar 1813 umsieht, so fällt auf, daß Wielands Tod zur Würdigung seiner Erscheinung oder zur Bewertung seiner historischen Leistung wenig Anlaß gab, obwohl die ohnehin vitale Spätaufklärung durch die französische Fremdherrschaft einen neuen Auftrieb erhalten hatte und Wieland, fünf Jahre früher, von Napoleon, in gleicher Weise wie Goethe, als Repräsentant der deutschen Zivilisation geehrt worden war. In der Zeitung für die elegante Welt wird er am 30. Januar der »Patriarch der deutschen Literatur«, »der ehrwürdigste Altvater unsrer Literatur« und der »Unvergleichliche« genannt. Aber die Notiz ist kurz, und auch am 5. Februar berichtet das gleiche Blatt nur über die Äußerlichkeiten von Wielands Beerdigung. Wir hören von der Aufbahrung in einem weißen Sterbekleide, von dem schwarzen Samtkäppchen, das er wie im Leben trägt, von einem Lorbeerkranz, von dem roten Samtkissen mit den höchsten Ehrenzeichen, die er erhielt, von den Prachtausgaben seiner berühmtesten Dichtungen Musarion und Oberon mit einem zweiten Lorbeerkranze und von den »Besuchenden aus allen Classen der Einwohner Weimars«, die Wieland noch einmal sehen wollten, schließlich von der Beerdigung in Oßmannstedt: »Sechszehn der Engverbundenen trugen den Sarg abwechselnd bis zu der bereiteten Ruhestätte.«

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Notizen

  1. 4.
    Über die Glaubwürdigkeit von Falk gibt es in der Goetheforschung einen alten Streit. Besonders Riemer und in seinem Gefolge Düntzer zweifelten an Falks Zuverlässigkeit. Heute folgt man meist A. Leitz-mann (»Goethes Gespräche mit Falk«, ZfdPh 57 (1932), 332–366), der Falks Glaubwürdigkeit nachzuweisen suchte. Mir scheint freilich, daß Leitzmann für die inhaltliche Bedeutung stilistischer Nuancen wenig Sinn hatte, so wenn er etwa meinte, Goethes Logenrede und sein Gespräch mit Falk über Wieland »stimmen … durchaus zusammen« (363). Zu denken gibt auch die Feststellung von Siegmar Schultze (Falk und Goethe [Halle 1900], 15), dem die handschriftlichen Notizen Falks vorlagen, daß dieser »vieles Material ignorierte, weil es Goethe keineswegs als den ›Edlen ‹ und ›Herrlichenc offenbarte«.Google Scholar
  2. 7.
    In der Literatur über die Freimaurer, die meist von Freimaurern geschrieben ist, wurde Goethes Logenrede stärker beachtet als in der Germanistik (s.u.). So gibt es in Gotthold Deiles Schrift Goethe als Freimaurer, Berlin 1908, 187 ff., einen eigenen Abschnitt über »Wielands Totenfeier in der Loge Amalia zu Weimar am 18. Februar 1813«. Ebd. S. 60 f. lesen wir Goethes Tafellied anläßlich Wielands Einführung als Freimaurer am 4. 4. 1809, in dem er ihn als Dioskuren begrüßt. Hugo Wernekke (Goethe und die königliche Kunst, Leipzig 1905) bietet allerlei Material zur Loge »Amalia« in Weimar. Auch freimaurerisch und materialreich, aber im Urteil sehr zurückhaltend ist Roland Guy (Goethe Franc-Maçon, Paris 1972). Er betont Goethes Neigung zum Geheimnis, die jedem Goetheforscher bekannt ist, will aber die Streitfrage, ob Goethe ein begeisterter Freimaurer war oder nicht, keineswegs entscheiden. Nach einer mündlichen Mitteilung von Thomas C. Starnes, New Orleans, hatte Goethes Nekrolog auch den Zweck, eine frühere, weniger freundliche Äußerung über Wieland, offenbar in der Loge, wiedergutzumachen. In der Freimaurerliteratur wird darüber kaum etwas zu finden sein. Doch liegt es nahe, daß jüngere Logenmitglieder durch die romantische Wielandkritik beeinflußt waren. Die generelle Schwierigkeit der Freimaurerforschung erkennt man durch die sorgfältige Lektüre von Peter Christian Ludz (Hg.), Geheime Gesellschaften, Heidelberg 1979.Google Scholar
  3. 9.
    »Goethes Reden«, in: Fritz Ernst, Essays, Zürich 1946, II, 94–105.Google Scholar
  4. 5.
    H.R. Mandelkow (Hg.), Goethe im Urteil seiner Kritiker, Bd. I, München 1975, 513. Quelle (nach ebd. S. 590): Aus meinem Tagebuche 1830.Google Scholar
  5. 6.
    Mandelkow, Goethe im Urteil seiner Kritiker, München 1975, 514.Google Scholar

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