Advertisement

Die Xenien Goethes und Schillers als Teilstück der Frühen Antibürgerlichen Bewegung

Chapter
  • 16 Downloads

Zusammenfassung

Im Eingang meines Beitrags zum Marbacher Goethe-Schiller-Symposion 19821 stellte ich fest, daß die dort versuchte Interpretation der Xenien als Generationskampf soziale Fragen nicht ausschließen kann, weil die Kulturgeschichte kein einfacher biologischer Prozeß ist. Wenn wir in der folgenden Untersuchung die sozialgeschichtlichen Fragen des Xenienkampfes in den Vordergrund rücken, so ist umgekehrt zu betonen, daß das zunächst biologisch begründete Phänomen der Begabung und das durch sie begründete Selbstbewußtsein der Klassiker nicht auszuschließen ist. Nur ein total amusischer Literarhistoriker kann Goethes und Schillers Aufstieg zu den deutschen Klassikern, der sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Stufen vollzog, ausschließlich auf sozialgeschichtliche und sonstige außerliterarische Faktoren zurückführen. Auch wenn wir den vieldeutigen und daher viel mißbrauchten Begriff des Genies nur vorsichtig gebrauchen und die mit dem einseitigen Kult der zwei großen Weimaraner verbundene Ungerechtigkeit gegen andere große Dichter im Auge behalten, verpflichtet uns die außergewöhnliche Leistung Goethes und Schillers zur Vermeidung jeder soziologischen Reduktion.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notizen

  1. 4.
    Friedrich Schiller, Sämtliche Werke. Hg. v. Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert. 6. Aufl. 1. Band. München 1980, 321 u. 339.Google Scholar
  2. 6.
    Caroline Herder am 16. 2. 1797 an Georg Müller: »Ach und wo geht das schöne Geld hin! An welche Nichtswürdigkeiten! Und die Schmeichler bieten dazu noch alle Hände!« (zit. nach Albert Bettex, Der Kampf um das klassische Weimar. Zürich und Leipzig 1935, 164). Bettex sieht in Herder die ideale Synthese Weimars. Dies hat man wiederholt versucht, unter christlichen und nationalen Gesichtspunkten. Rein historisch gesehen ist es Unsinn, Herder oder Wieland gegen die »Duumvirn« (Wieland) auszuspielen. Sicher dagegen ist es, daß die soziale und historische Problematik der Hochklassik leichter zu erkennen ist, wenn man die gesamte Kultur von Weimar im Auge behält; denn hinter den persönlichen Spannungen der großen Geister stehen schon fast alle Entscheidungsnöte und Krisen des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Einen überlegenen neuen Beitrag zu diesem Problem leistete Christoph Fasel : Herder und das klassische Weimar; Kultur und Gesellschaft 1789–1803, Frankfurt a.M. 1988;Google Scholar
  3. 8.
    Christa Bürger, Literarischer Markt und Öffentlichkeit am Ausgang des 18. Jahrhunderts in Deutschland In: Aufklärung und literarische Öffentlichkeit. Hg. v. Christa Bürger, Peter Bürger, Jochen Schulte-Sasse. Frankfurt a.M. 1980, 189, 168.Google Scholar
  4. 9.
    Friedrich Sengle, Biedermeierzeit. Bd. I. Stuttgart 1971, 64–68.Google Scholar
  5. 10.
    Friedrich Nicolai, Anhang zu Friedrich Schillers Musenalmanach für das Jahr 1797. Berlin und Stettin 1797, 86.Google Scholar
  6. 11.
    Karl Vorländer, Immanuel Kant. Der Mann und das Werk. Teil II. 2. Aufl. Hamburg 1977, 257.Google Scholar
  7. 12.
    Eduard Boas, Schiller und Goethe im Xenienkampf. Teil 1. Stuttgart und Tübingen 1851, 75, im Anschluß an Daniel Jenischs Litterarische Spießruthen (1797), die zur Kommentierung der Xenien schon viel beitrugen.Google Scholar
  8. 17.
    Johann Joachim Eschenburg, Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. Bd. 7, Stettin 1793, 362 und 642.Google Scholar
  9. 19.
    Fritz Meyen, Johann Joachim Eschenburg. Braunschweig 1957, 28.Google Scholar
  10. 23.
    Ernst Julius Saupe, Die Schiller-Goetheschen Xenien. Leipzig 1852, 99.Google Scholar
  11. 27.
    Daß es sich bei dem Gegeneinander und Ineinander von Geburtsadel und Verdienstadel — auch der Begriff »Naturadel« taucht auf — nicht allein um ein literarhistorisches, sondern auch um ein politisch-historisches Phänomen handelt, lehren Brunners, Conzes und Kosellecks Geschichtliche Grundbegriffe Bd. 1, 1972, Stichwort Adel, besonders 23–35. Durch den dichtungstheoretischen Geniebegriff wird die No-bilitierung von Dichtern und die dichterische Betätigung von Adeligen höchstens besonders nahegelegt. Schon vor Jahren wies H.O.-Burger in seinem Vortrag Europäisches Adelsideal und deutsche Klassik (In: H. O. B., Dasein heißt eine Rolle spielen. Studien zur deutschen Literaturgeschichte. München 1963, 211–232) auf die starke Beeinflussung der Klassiker durch Persönlichkeiten hin, die das fortlebende Adelsideal der frühen Neuzeit besonders rein verkörperten. Diese verbürgerlichte Adelstradition war kein unnatürlicher »Klassenkompromiss«, sondern eine neue historische Größe, welche die in verschiedenen Gruppen auftauchende Barbarisierung verhinderte oder wenigstens verzögerte. Ähnlich versucht ja heute der deutsche Arbeiter- und Bauernstaat die beste bürgerliche Tradition weiterzuentwickeln. Auch die Säkularisation der Religion ist nicht einfach eine Zerstörung, sondern der Versuch, den Sturz in den Nihilismus zu verhindern. Goethes Weg seit Werthers Leiden war ein fortgesetzter Widerstand gegen das »Ewig-Leere«, das Mephistopheles vertritt.Google Scholar
  12. 28.
    Richard Samuel, Der kulturelle Hintergrund des Xenienkampfes (1937)Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1989

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations