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Das Imaginäre (J.-P. Sartre) und das Ding der Wahrnehmung (I. Kant, E. Husserl)

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Zusammenfassung

Es ist zunächst an ein Resultat früherer Überlegungen zu erinnern. Mit Bezug auf Kant wurde festgestellt, daß alles, was als im empirischen Sinne wirklich beurteilt wird, auch in der Vorstellung ist. Daraus wurde gefolgert, daß etwas nicht schon darum, weil es vorgestellt wird, als ein Imaginäres angesehen werden kann. Das Imaginäre läßt sich nicht ohne weiteres durch die Imagination begründen. Gleichwohl besteht eine — man kann sagen: natürliche — Tendenz, diesem Argumentationsweg zu folgen. Vom Imaginären und Fiktiven wird eben, wie selbstverständlich, ausgesagt, es sei »nur Vorstellung«. Und damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß das Vorgestellte nicht empirisch real sei. Doch diese Irrealitätssetzung enthält ein Problem. Denn nur unter der Bedingung, daß ein Objekt der Vorstellung, das auch Korrelat einer Wahrnehmung sein könnte, dadurch daß es vorgestellt wird, eine Bestimmtheit erfährt, die ihm unabhängig vom Akt des Vorstellens nicht zukommt, hat es Sinn, im Rekurs auf die Vorstellung des Objekts die Irrealitätsthese zu rechtfertigen. Verhielte es sich so, dann wäre das Problem des Imaginären allerdings leicht gelöst, nämlich durch die Bezeichnung eines derartigen Vorstellungskriteriums. Die gegenwärtig wohl bedeutendste Theorie des Imaginären, die Sartre unter starkem Einfluß der Phänomenologie Husserls verfaßt hat, wählt diesen Weg. Es ist kritisch zu zeigen, daß sie in fehlerhafter Weise Vorstellung und Objekt der Vorstellung gleichsetzt und vermengt, indem sie Bestimmtheiten der Vorstellung dem Gegenstand der Vorstellung als dessen Eigenschaften vindiziert. Die irrige Auffassung Sartres weist indes zurück auf eine Doppeldeutigkeit des phänomenologischen Gegenstandsbegriffs, die im Rückgang auf die Transzendentalphilosophie Kants ebenfalls der Korrektur bedarf.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1988

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