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Karl Philipp Moritz: Erfahrungsseelenkunde als Literatur

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Zusammenfassung

Auch Moritzens Kindheit und Jugend ist durch eine religiöse Erziehung geprägt. Eine der vielen Spielarten damaliger Laienfrömmigkeit, der Quietismus, dem der Vater anhängt, geben ihr ihren eigentümlichen Charakter. Auch diese Erziehung ist streng; sie geißelt die leib-sinnlichen Regungen des Heranwachsenden, erscheint mitunter gar erbarmungslos. Aber nun wird dies vom Autor [1] in seiner eigenen Lebensbeschreibung [2] auch so gesehen und gesagt; nichts Idyllisches wird dem abgewonnen, nichts Erbauliches; nicht einmal Zweifel bleiben ob des Rechts der Erwachsenen oder des Anteils göttlicher Schickung. Moritzens autobiographischer Roman Anton Reiser hebt an mit der schonungslosen Kritik jenes Religionismus; ihr Mittel ist die psychologische Erklärung seiner Genese und seiner Wirkungen; ihre erste Absicht ist eine Pathographie der Frömmelei; ihr weiteres Ziel ist eine anthropologische Faktorenanalyse, die alle oder fast alle Bedingungen erfaßt und durchleuchtet, die einem Lebenslauf wie diesem seine Richtung geben.

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Anmerkungen

  1. 35.
    Theil, S. 144; vgl. zu dieser Stelle auch Mark Boulby, The Gates of Brunswick. Some Aspects of Symbol, Structure and Theme in Karl Philipp Moritz’s »Anton Reiser«, in: The German Language Review 68 (1973), S. 105ff.Google Scholar
  2. 36.
    Anfang und Fortgang der Bekehrung A. H. Francke’s von ihm selbst beschrieben. In: Beiträge zur Geschichte August Hermann Francke’s enthaltend den Briefwechsel Francke’s und Spener’s, hg. von G. Kramer, Halle 1861, S. 28–55, hier S. 51: »Denn bey solcher würklichen Verleugnung Gottes, welche in meinem Hertzen war, kam mir dennoch mein gantzes bißheriges Leben vor Augen, als einem der auff einem hohen Turm die gantze Stadt übersiehetGoogle Scholar
  3. 42.
    Vgl. auch Bezold, Popularphilosophie und Erfahrungsseelenkunde im Werk von Karl Philipp Moritz, Würzburg 1984.Google Scholar
  4. 51.
    Vgl. Bezold: Popularphilosophie und Erfahrungsseelenkunde im Werk von Karl Philipp Moritz, S. 36f. Zur Kette der Wesen generell Arthur O. Lovejoy, The Great Chain of Being. A Study of the History of an Idea, Neuaufl. der zuerst 1936 erschienenen Arbeit, New York 1960. Eine weitere der wirklich unentbehrlichen Arbeiten zu Moritz:Google Scholar
  5. Thomas P. Saine, Die ästhetische Theodizee. Karl Philipp Moritz und die Philosophie des 18. Jahrhunderts, München 1971, hier bes. S. 53ff.Google Scholar
  6. 58.
    1. Mai 1764 an Thomas Abbt, in: Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe, Briefwechsel II. 1, hg. von Alexander Altmann, Stuttgart-Bad Cannstatt 1976, S. 43: »Der Tod hat an meine Hütte gepocht, und mir ein Kind geraubt, das nur eilf unschuldige Monathe, aber diese Gottlob! munter und unter hofnungsvollen Versprechungen, auf Erden gelebt hat. — Mein Freund! Die Unschuldige hat die eilf Monathe nicht vergebens gelebt. IhrGoogle Scholar
  7. 78.
    Vgl. Hans Joachim Schrimpf, Karl Philipp Moritz, Stuttgart 1980, S. 109f.Google Scholar
  8. 79.
    Bengt Algot Serensen, Symbol und Symbolismus in den ästhetischen Theorien des 18. Jahrhunderts und der deutschen Romantik, Kopenhagen 1963; hier bes. S. 15ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1987

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