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Programmatik und Kunsttheorie

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Zusammenfassung

Die Kunst ist die Objektivation des Schönen, — das Schöne die harmonische Verbindung des Idealen und Realen, die Versöhnung des Sinnlichen und Geistigen. Das ist ein erstes Princip aller Aesthetik. Daneben stehe nun die Behauptung der Culturgeschichte, daß vor allem Hellas das Land der Schönheit gewesen, daß der griechische Geist die innigste Vermittlung zwischen Ideal und Wirklichkeit repräsentire — und es wird offenbar, daß entweder die nachhellenische Kunst keine wahre Kunst mehr ist, oder die obigen Sätze zu viel behaupten. Das Letztere ist der Fall, Aesthetik und Geschichte — beide haben Recht und Unrecht zugleich. Allerdings sind die Griechen die edelsten Vertreter einer harmonisch ausgebildeten Menschlichkeit. Wie könnt’ es anders sein! Ueber sich die milde Klarheit des südlichen Himmels, rings umrauscht von blauen Fluthen, im Angesicht ewiger, frischer Lebensfülle — mußte der Hellene mit Notwendigkeit seiner ganzen Herzens-, Geistes- und Lebensgestaltung den Stempel tiefer Selbstbefriedigung aufprägen. Und es bedarf ja keines Beweises durch Worte für den, dessen Betrachtung sich einmal in die göttlichen Meisterwerke griechischer Kunst versenkt hat. Oder gibt es irgend eine Schöpfung neueren Ursprungs, welche Form und Gehalt derart in eins gebildet zeigt, wie die Venus von Medici, oder die Gruppen des Parthenonfrieses? Harmonie der Harmonie! Und dennoch hat die Kunst seit dem Verfall des hellenischen Geistes keinen Rückschritt gemacht, weil es für sie noch höhere Ideale gibt, als griechische Formvollendung. Nicht das Volk der Schönheit überhaupt, nur das Volk der plastischen Schönheit waren die Griechen. Aber auch die Aesthetik irrt, und ihre Formel würde zur Consequenz haben, daß Wahrheit und Sittlichkeit nicht für die Kunst als solche existirten.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1987

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