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Exkurs: Zeitkrankheit Melancholie — Psychoanalytische und Soziologische Melancholieforschung im 20. Jahrhundert

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Zusammenfassung

Psychoanalytische Begriffsbildung hat in ihren Ursprüngen nicht nur empirisches Material als Basis, sie orientiert sich ebenso an literarischen, an fiktionalen Vorlagen. Freuds Deutung des Ödipus-Dramas ist dafür das bekannteste Beispiel. [1] Der Einfluß der Psychoanalyse wiederum auf die Literatur des 20. Jahrhunderts ist nicht zu bestreiten, mit der Wechselbeziehung von Anthropologie und Literatur im 18. Jahrhundert freilich nicht vergleichbar. [2] Problematisch dagegen stellte sich bisher die Vermittlung von Psychoanalyse und Literaturwissenschaft zur Interpretation literarischer Werke dar, obwohl das hermeneutische Verfahren doch beiden Disziplinen gemeinsam ist. Die schroffe Ablehnung, welche z. B. die psychoanalytische Pathologisierung von Dichtern oder fiktionalen Figuren innerhalb der Germanistik erfahren hat, ist verständlich. Der ästhetische Mehrwert von Literatur darf nicht unterschlagen werden, ebenso wenig allerdings die bei zeitgenössischen Autoren häufig bewußte Verarbeitung psychoanalytischer Erkenntnisse im literarischen Werk. [3] Nur unter diesem Vorbehalt erscheint uns die Anwendung psychoanalytischer und — in Analogie dazu — soziologischer Melancholiebegrifflichkeit als ein heuristisches Verfahren für die Interpretation von Gegenwartsromanen legitim.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1985

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