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Die Einsetzung des Zeichens: Brod und Wein

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Zusammenfassung

Unter den Elegien Hölderlins hat Brod und Wein von jeher eine besondere Anziehungskraft gehabt. [1] Man hat dies unter anderm ihrer schönen Geschlossenheit zugeschrieben [2], die das Konzept einer klassischen Phase Hölderlins [3] zu stützen scheint. Freilich hat es mit dieser Geschlossenheit eine eigene Bewandtnis: als konkreter, sinnlich erscheinender Text ist eine solche Geschlossenheit für uns nur noch als Resultat eines editorischen Aktes gegeben, etwa in der drucktechnisch schönen Darbietung im ersten Teil des zweiten Bandes der Stuttgarter Ausgabe, oder was als »Unemendierter Text« im 6. Band der Frankfurter Ausgabe auf den Seiten 248–252 sich dem Auge vorstellt. Diese Textausgabe macht jedoch gleichzeitig sinnlich sichtbar, was in der Stuttgarter Ausgabe so unmittelbar nicht zum Bewußtsein gelangt: daß keine der handschriftlichen Vorlagen mehr im Zustand jenes reinen, unberührten Fortschreitens eines geschlossenen Textes sich befinden, wie der Drucktext den Eindruck erweckt. ›Nicht mehr‹ ist in dem Falle freilich zu sagen. Denn im Gegensatz zu vielen Hölderlin-Gedichten, die uns in einer Form vor Augen stehen, wie Hölderlin selbst sie nie vor seinen Augen gehabt hat, kann im Falle von Brod und Wein eine Reinschrift angenommen werden, deren Form zu einer bestimmten Zeit, wenn nicht in den Schriftzeichen, so doch in der gegliederten und abgeschlossenen Ordnung den vertrauten Drucktexten beinahe gleich war. [4]

Anmerkungen

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