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Spätwerk und Altersstil

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Zusammenfassung

Von der Jugend des ersten Weltkrieges wird gesagt, daß sie den Faust im Tornister getragen habe. Die Jugend, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Hörsäle drängte-ohne Tornister, wie sich versteht — war vorzüglich vom alten Goethe fasziniert: vom Dichter der Wahlverwandtschaften, des West-östlichen Divan und der Wander jahre. Und sie war in besonderem Maße aufgeschlossen für die Alterslyrik bis zu den Dornburger Gedichten hin. Diese Vorliebe erklärt den einigermaßen paradoxen Umstand, daß sich junge und angehende Doktoren in die Altersweisheit Goethes vertieften; daß sie die Spruchform im Spätwerk erforschten und daß die ansprechende Studie über die Entsagung nicht, wie man vermuten könnte, von einem emeritierten Professor geschrieben wurde. Dem allzeit jugendlichen Herman Nohl erschien solche Fixierung auf Altersstil und Altersweisheit ein wenig bedenklich, und er sprach es in seiner Zeitschrift offen aus. [2] Daß es sich dabei zugleich um eine Warnung des besorgten Pädagogen handelte, bestätigte ein persönlicher Brief, in dem es hieß: »Daß meine Schändung des alten Goethe Ärgernis erregen würde, wußte ich natürlich gut und war auch fast beabsichtigt. Ich weiß selbstverständlich, daß heute alle von dem Alten fasciniert sind, daß Beutler das in London bejaht hat, daß das gute Buch meines Freundes Flitner sehr gewirkt hat.« [3] Aber eine Verengung des Lebens, wohl auch eine fast krankhafte Hingabe der jungen Generation an etwas im Grunde doch Altes sei damit verbunden, meinte Nohl. Der Brief war zugleich die Antwort auf einen Beitrag, den er damals mit Zustimmung, aber gewiß nicht ohne die bezeichneten Vorbehalte in seine Zeitschrift aufnahm.

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Anmerkungen

Goethe und das Problem seiner Alterslyrik

  1. 5.
    P. Hankamer: Spiel der Mächte, Tübingen und Stuttgart. 1947 S. 9–10.Google Scholar
  2. 6.
    Der Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter, hg. von M. Hecker, Leipzig 1913, 1, S. 107.Google Scholar
  3. 11.
    Symptomatisch ist das Buch von C. Wandrey: Theodor Fontane, München 1919.Google Scholar
  4. 19.
    K. Viëtor: Goethes Altersgedichte. In: Euph. 33. Bd. Jetzt in: Geist und Form. Aufsätze zur deutschen Literaturgeschichte, Bern 1952, S. 144–193.Google Scholar
  5. 25.
    W. Flitner: Goethe im Spätwerk. Hamburg. 1947, S. 164.Google Scholar
  6. 26.
    Vgl. hierzu: A. Henkel: Entsagung, Tübingen 1956.Google Scholar
  7. 27.
    Im Sinne von W. Schadewaldt: Goethes Begriff der Realität. In: Goethe. NF XVIII. Bd. 1956, S. 44–88.Google Scholar
  8. 35.
    Hierzu W. Preisendanz: Die Spruchform in der Lyrik des alten Goethe und ihre Vorgeschichte seit Opitz. Heidelberg 1952.Google Scholar
  9. 36.
    C. Heselhaus: Deutsche Lyrik der Moderne von Nietzsche bis Yvan Goll. Düsseldorf 1961.Google Scholar
  10. 47.
    Vgl. K. Friederichs: Lebensdauer, Altern und Tod in der Natur und im Menschenleben (mit umfangreichem Literaturverzeichnis). Frankfurt 1959.Google Scholar
  11. 48.
    Schillers Werke. Nationalausgabe. Bd. XXII. Vermischte Schriften. Hg. von H. Meyer. Weimar 1958.Google Scholar
  12. 57.
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Goethes Gedicht Der Bräutigam Ein Beitrag zur Form seiner Alterslyrik

  1. 2.
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  2. 4.
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  3. 5.
    Vgl. Hermann August Korff: »Und so kann große Dichtung nie etwas anderes als Erlebnis-dichtung sein« (Goethe im Bildwandel seiner Lyrik. Leipzig 1958,1, S. 14).Google Scholar
  4. 7.
    Wir nennen in zeitlicher Folge die neueren Beiträge der letzten Jahrzehnte. G. W. Hertz: Goethes Gedicht »Der Bräutigam«, in: GRM, XIX (1931), S. 221–224Google Scholar
  5. Karl Viëtor: Goethes Altersgedichte, in: Euph. XXXIII (1932), in umgearbeiteter Form wieder abgedruckt in: Geist und Form. Bern 1952, S. 144–193Google Scholar
  6. Paul Stöckleins zuerst veröffentlichter Beitrag (siehe Anm. 6); Max Kommereil: Gedanken über Gedichte. Frankfurt 1944, S. 136–140Google Scholar
  7. Ernst Beutler: Lili. Wiederholte Spiegelungen, in: Essays um Goethe. Wiesbaden 1947. Bd. II, S. 77–81Google Scholar
  8. Erich Trunz: Goethes Werke (Hamburger Ausgabe), HA 1/590. Walter Hof: Um Mitternacht, in: Euph. XLV (1950), S. 50–82Google Scholar
  9. Walter Hof: Zu Goethes Gedicht »Der Bräutigam«, in Euph. XLVI (1952), S. 301–306Google Scholar
  10. Lieselotte Blumenthal: Goethes Gedicht »Der Bräutigam«, in: Goethe NF des Jahrbuchs der Goethe-Ges. XIV/XV (1952/53), S. 108–135Google Scholar
  11. Walter Hof: Wo sich der Weg im Kreise schließt. Goethe und Charlotte von Stein. Stuttgart 1957, S. 303–324Google Scholar
  12. Hermann August Korff: Goethe im Bildwandel seiner Lyrik, Leipzig 1958, II, S. 325–330.Google Scholar
  13. 11.
    W. Hof (Euph. 1952, S. 306): »Aber dies bleibt zu sagen, daß man entweder den von mir geführten Beweis als einen Indizienbeweis anerkennen oder auf das vollkommene Verständnis eines der schönsten und erschütterndsten Gedichte in deutscher Sprache verzichten muß.«Google Scholar
  14. 12.
    Vgl. Verzeichnis von Salomon Hirzels Goethe-Sammlung, hg. von Reinhard Fink, 1932, S. 50.Google Scholar
  15. 37.
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  16. 39.
    Herders Sämmtliche Werke, hg. von B. Suphan, Bd. VIII. Berlin 1892, S. 513.Google Scholar
  17. 48.
    Vgl. hierzu: M. Curöin: Das serbische Volkslied in der deutschen Literatur. Leipzig 1905Google Scholar
  18. M. Trivunac: Das Goethejahr in Jugoslavien, in: Germanoslavia, 1932/33, S. 153Google Scholar
  19. H. Wendel: Die Welt der Südslawen im Spiegel Goethes, in: Jahrb. des freien deutschen Hochstifts, 1926Google Scholar
  20. M. Murko: Die serbokroatische Volkspoesie, in: Anz. f. slav. Philologie, 1906Google Scholar
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  22. J. M. Milovié: Goethe, seine Zeitgenossen und die serbokroatische Volkspoesie. Leipzig 1941Google Scholar
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  24. H. Schmaus: Südslawisch-deutsche Literaturbeziehungen, in: Deutsche Philologie im Auf-riß, hg. von W. Stammler, III (1957): Sp. 405ff.Google Scholar
  25. 50.
    Goethe und die Romantik. Briefe mit Erläuterungen. Hg. von Carl Schüddekopf und Oskar Walzel. Schriften der Goethe-Gesellschaft Bd. 13/14. Das hier angeführte Zitat im 2. Teil Bd. 14 (1899), S. 225.Google Scholar
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  27. 68.
    West-östlicher Divan, 2. Band. Noten und Abhandlungen. Bearbeitet von Ernst Grumach (Akademie-Ausgabe) Berlin 1952, S. 6.»Ich weiß nicht, wer den Perser Hafiz läse, ohne daß ihm Salomo einfiele«, hatte Herder schon 1776 geschrieben (Sämmtl. Werke, VIII, S. 591).Google Scholar
  28. 81.
    Vgl. auch Otto Pniower: Goethes Faust und das Hohe Lied, in: Goethe-Jahrbuch, XIII (1892), S. 181 ff.Google Scholar
  29. 83.
    In Erinnerung, daß »jene neu belebten Ruinengärten [...] unwandelbar vor den Augen stehen« (6. Okt. 1824. In: Goethes Briefwechsel mit Marianne von Willemer. Hg. von M. Hecker. Leipzig 1922, S. 126).Google Scholar
  30. 85.
    Heinrich Henel: Erlebnisdichtung und Symbolismus, in: DVjs, XXXII (1958), S. 77.Google Scholar
  31. 86.
    Die Erinnerung, die Anredeformen, die religiöse Symbolik, der Versuch, die Leidenschaften vom Geist her zu bewältigen, auch wenn er scheitert, der Überblick über das gelebte Leben (Werther, Tasso, Pandora) und schließlich die Verwandlung des unmittelbar Erlebten ins Gedankliche: die Wendung zum Tragischen. Vgl. auch Elizabeth Wilkinson: Goethes »Trilogie der Leidenschaft«. Ein Beitrag zur Katharsis, in: Veröffentl. des Freien Deutschen Hochstifts, 1958.Google Scholar
  32. 88.
    Vgl. Paul Böckmann: Die Heidelberger Divan-Gedichte, in: Goethe und Heidelberg. Hg. von G. Poensgen. Heidelberg 1949, S. 204–239.Google Scholar
  33. 91.
    E. Staiger: Das Spätboot, in: Festschrift für Fritz Strich. Bern 1952, S. 129.Google Scholar

Goethes Maximen und Reflexionen Denkformen und Bewußtseinskritik

  1. 3.
    Robert Musil: Gesammelte Werke, Bd. 1: Der Mann ohne Eigenschaften. Hg. von Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg 1952, S. 1040.Google Scholar
  2. 5.
    Wilhelm Flitner: Aus Makariens Archiv. Ein Beispiel Goethescher Spruchkomposition. In: Goethe-Kalender 36 (1943), S. 122: »Er bildet den Aphorismus bei seiner Arbeit am Wilhelm Meister in den neunziger Jahren bewußt aus und erfand die ihm eigentümliche Art, Aphorismen zu Reihen kunstvoll zu komponieren.«Google Scholar
  3. 9.
    Werner Heisenberg: Die Goethesche und die Newtonsche Farbenlehre im Lichte der modernen Physik. In: Geist und Zeit. 19. Jg. (1941), S. 261–275; das angeführte Zitat S. 266. Der Vortrag, zuerst am 5. Mai 1941 in Budapest gehalten, ist wieder abgedruckt in dem Aufsatzband Werner Heisenbergs: Wandlungen in den Grundlagen der Naturwissenschaft. Zehn Vorträge Stuttgart 1959, S. 85–106.Google Scholar
  4. 11.
    Hierzu Martin Dyck: Goethes Verhältnis zur Mathematik. In: Goethe. NF des Jahrbuchs, 23. Bd. (1961), S. 49–71. — W.Heisenberg: S. 91 f.Google Scholar
  5. 15.
    Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolution (deutsche Ausgabe seines obengenannten Buches, das in englischer Sprache zuerst 1962 erschien). Frankfurt 1967, S. 31.Google Scholar
  6. 20.
    Der Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter. Hg. von Max Hecker. Leipzig 1918, 3. Bd., S. 289–290.Google Scholar
  7. 24.
    Friedrich Theodor Vischer: Goethes Faust. 2. Aufl. 1920, von Erich Trunz in dessen Artikel »Altersstil« zitiert. (Goethe-Handbuch. 2. Aufl. Stuttgart 1961, S. 178).Google Scholar
  8. 26.
    Wolfgang Preisendanz: Die Spruchform in der Lyrik des alten Goethe und ihre Vorgeschichte seit Opitz. Heidelberg 1952, S. 35.Google Scholar
  9. 30.
    Franz Mautner: Aphorismen, in: Literatur. Fischer-Lexikon. Frankfurt 1965. II/1, S. 44: »Im Merkmal des Persönlichen liegt ein Hauptunterschied gegenüber dem Sprichwort«.Google Scholar

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