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Gegenklassische Wendungen

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Zusammenfassung

Über Aufgabe und Stellung des Dichters im Verständnis Hölderlins, über Gedichte Wie wenn am Feiertage oder Dichterberuf, ist in der Vergangenheit vielfach gesprochen worden, als hätte man es ausschließlich mit Religion, Priestertum oder Mythos zu tun. Von seiner Sendung ist die Rede, die man zur Göttersendung stilisiert, von seinem Dichtertum, das man sich immer nur als Sehertum und Prophetie vorzustellen vermag. Der Beruf des Dichters wird in solchem Verständnis eins mit der Berufung zum Dichter: indem man davon spricht, wird Heiliges beschworen: »Und eben das gibt diesem Werk seine einzigartige Stellung innerhalb der großen deutschen Dichtung, daß sich in ihm eine Berufung mit stetig wachsender Deutlichkeit zu erkennen gibt und daß diese Berufung eine heilige ist«, heißt es in einem oft zitierten Beitrag über die Berufung des Dichters (von Walther F. Otto). Als sei der Blick in Absehung von der eigenen Zeit des Dichters einzig und allein auf die griechische Götterwelt zu lenken, kann gesagt werden: »Aber die griechischen Gestalten fesseln ihn nur, weil die Heiligkeit der Welt sich in ihnen am lebendigsten geoffenbart hat. Das Göttliche selbst ist der verzehrende Glanz, von dem er den Blick nicht abwenden kann.« [1] Es heißt die Verdienste Norbert von Hellingraths um Hölderlin nicht schmälern, wenn man feststellt, daß er vor anderen es war, der — wie ähnlich George und Gundolf — in dieser Tonart zu reden begonnen hat [2], und wenn Martin Heidegger über Hölderlin handelt, so steht er noch immer in dieser Tradition. Schon vor Jahrzehnten wurde vor derart einseitiger Sicht gewarnt.

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Anmerkungen

Hölderlins Ode »Dichterberuf« Zum schriftstellerischen Selbstverständnis um 1800 Der vorliegende unveröffentlichte Beitrag stellt die erste in dieser Form konzipierte Ausarbeitung des behandelten Themas dar, von der nachträglich eine erheblich kürzere Fassung für die im Reclam-Verlag von Wulf Segebrecht herausgegebene Sammlung von Interpretationen zur Lyrik im Zeitalter der deutschen Klassik hergestellt wurde. Auf den Anmerkungsteil war in der kürzeren Fassung zu verzichten. Die Zahlen in Klammern bezeichnen Band und Seitenzahl der Stuttgarter Ausgabe.

  1. 1.
    Walter F. Otto: Die Berufung des Dichters. In: Hölderlin. Gedenkschrift zu seinem 100. Todestag. Hg. von Paul Kluckhohn. Tübingen 1944, S. 203.Google Scholar
  2. 3.
    Guido Schmidlin (Hölderlins Ode: Dichterberuf. Eine Interpretation, Berlin 1958, S. 42): »Nichts scheint gegenwärtig dringender, als daß die Hölderlindiskussion sich entschieden von der religionsgeschichtlichen und religionsphilosophischen Ebene weg und zur literaturwissenschaftlichen hinwende.«Google Scholar
  3. 6.
    Schillers Werke. Nationalausgabe. 20. Bd. Weimar 1962, S. 448.Google Scholar
  4. 7.
    Den glücklichen Begriff des Hintergrundwissens im Auslegen literarischer Texte hat Wolfgang Stegmüller gebraucht. Der Zirkel des Verstehens. In: Natur und Geschichte. X. Kongreß für Philosophie. Hg. von K. Hübner und A. Menne. Hamburg 1973, S. 39.Google Scholar
  5. 9.
    Werner Kirchner: Hölderlin. Aufsätze zu seiner Homburger Zeit. Göttingen 1967, S. 32. Die Sicherheit, mit der Kirchner das Kriegsgeschehen auf Napoleon bezieht und durch ihn gerechtfertigt sieht, ist bestreitbar und umstritten. Er schließt in das, was nicht zweifelhaft sei, den Krieg des ersten Konsuls ein und fährt fort: »Wir denken an den überwältigenden und entscheidenden Sieg Bonapartes bei Marengo im Juni 1800 …«Google Scholar
  6. 12.
    Vgl. hierzu Erik Wolf: Vom Wesen des Rechts in deutscher Dichtung. Frankfurt 1946, S. 9–60.Google Scholar
  7. 14.
    Darauf verweist überzeugend Gregor Thurmair: Einfalt und einfaches Leben. Der Motivbereich des Idyllischen im Werk Hölderlins. München 1980, S. 196.Google Scholar
  8. 15.
    Paul de Man: Hölderlins Rousseaubild. In: HJb 1967/68, S. 191.Google Scholar
  9. 16.
    So Friedrich Beißner in seiner Auslegung der Ode »Dichterberuf«: »Ein hoher Anspruch wird hier an den Dichter gestellt. Sein Tun wird verglichen mit dem Siegeszug des Freudengotts nach Indien […] nur dem Dichter wird das nämliche Recht auf Eroberung zugestanden« (HJb 1951, S. 9). Aber in welchem Sinne können denn wohl Dichter Eroberer sein? Das bleibt unaufgeklärt; daher muß sich Beißner gegen Ende des Gedichts über Einfalt und Demut des Dichters wundern: »So gar nicht als Eroberer gibt sich der Dichter hier« (S. 13). Auch J. Rosteutscher läßt es in diesem Punkt an Aufklärung und Erklärung fehlen (Hölderlins Ode »Dichterberuf« und die Frage der Auffassung vom Beruf des Dichters überhaupt. In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt Jb. 1962, 62–75).Google Scholar
  10. 18.
    So Momme Mommsen: »Der Eroberungszug des Dionysos, der den Gott in fernste Länder führte, wurde für Hölderlin von nun ab das bevorzugte Sinnbild überhaupt für das Wesen entscheidender geistiger Revolutionen« (Dionysos in der Dichtung Hölderlins. In: GRM. NF XIII (1963), S. 348).Google Scholar
  11. 20.
    Werner Kirchner ist überzeugt, diese Wendung besage keineswegs, »daß Hölderlin in dem Ereignis des 18. Brumaire einen niederschmetternden Eindruck empfing« (Hölderlin, S. 126); der Ausdruck »Dictator« sei nicht unbedingt pejorativ aufzufassen. Ähnlich Adolf Beck in seinen Erläuterungen (VI/993). Anders Friedrich Beißner in seinem Vortrag über die Ode »Der Frieden« (Hölderlin Reden und Aufsätze. Weimar 1961, S. 96 und S. 195). Gerhard Kurz läßt nicht die geringsten Zweifel daran, daß mit dem Postscriptum Abstandnahme ausgedrückt ist: »In einer Lakonie, deren Kälte die Verzweiflung schon hinter sich zuGoogle Scholar
  12. 23.
    Vgl. die Deutung M. Heideggers: »Heimkunft«. In: Erläuterungen zu Hölderüns Dichtung. Frankfurt 1951, S. 28 f.Google Scholar
  13. 24.
    Vgl. Adolf Beck: Hölderün und Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. Die Anfänge des hymnischen Stiles bei Hölderlin. Iduna. Jahrbuch der H.-Gesellschaft 1944, S. 88–113.Google Scholar
  14. 45.
    Vgl. Eberhard Lämmert: Der Dichterfürst. In: Dichtung/Sprache/Gesellschaft. Akten des IV. Internationalen Germanistenkongresses 1970 in Princeton. Hg. von Victor Lange und Hans-Gert Roloff, Frankfurt 1970, S. 439–455.Google Scholar
  15. 46.
    Hugo von Hofmannsthal: Prosa II. Hg. von H. Steiner (1951), S. 280.Google Scholar
  16. 47.
    Walther Rehm: Wirklichkeitsdemut und Dingmystik. In: Der Dichter und die neue Einsamkeit. Göttingen 1969, S. 78–152.Google Scholar
  17. 51.
    Wolfgang Binder: Hölderlin und Sophokles. In: HJb 16 (1969/70), S. 21. Jetzt in der Aufsatzsammlung des Verfassers: Aufschlüsse. Studien zur deutschen Literatur. Zürich und München 1976, S. 263.Google Scholar

Kleists »Penthesilea« im Kontext der deutschen Klassik

  1. 1.
    Heinrich von Kleist, Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen, hg. von Helmut Sembdner. Bremen 1957, S. 184.Google Scholar
  2. 6.
    Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe, hg. von Helmut Sembdner, hier zitiert nach der dritten, vermehrten und revidierten Auflage. München 1964. Bd. II, S. 805.Google Scholar
  3. 9.
    Hierzu Katharina Mommsen (Kleists Kampf mit Goethe. Heidelberg 1974, S. 29): »Seine Winckelmann-Schrift von 1805 hatte den Künstlern einen ganz anderen Weg gewiesen: den der reinen Klassik. Die romantische Bewegung stellte Goethe jetzt — so schien es — in Kleists neuem Werk eine scharfe Antithese gegenüber. Zum Verhältnis Kleists zu Goethe vgl. auch Bernhard Blumes Aufsatz, jetzt in: Heinrich von Kleist. Aufsätze und Essays, hg. von W. Müller-Seidel. Darmstadt 1967, S. 130–185.Google Scholar
  4. 15.
    Zur Metaphorik der Jagd vgl. Robert Labhardt: Metapher und Geschichte. Kleists dramatische Metaphorik bis zur ›Penthesilea‹ als Widerspiegelung seiner geschichtlichen Position. Kronberg 1976, S. 235 ff.Google Scholar
  5. — Albrecht Sieck: Kleists Penthesilea. Versuch einer neuen Interpretation. Bonn 1976; vor allem S. 52 ff: »Das Bild von der entkoppelten Dogge«. Der mänadische und dionysische Charakter der »Penthesilea« wird im Sinne der »Bakchen« S. 217 betont.Google Scholar
  6. 24.
    Hans M. Wolff: Heinrich von Kleist als politischer Dichter. University of California Press. Berkeley und Los Angeles 1947, S. 450.Google Scholar
  7. 39.
    Zum Begriff der geschlossenen Form vgl. Volker Klotz: Geschlossene und offene Form im Drama. München 1960.Google Scholar
  8. 40.
    Erich von Kahler: Untergang und Übergang der epischen Kunstform, in: E. v. K: Untergang und Übergang. München 1970, S. 13.Google Scholar
  9. 41.
    August Strindberg: Ein Traumspiel. Deutsch von Peter Weiss (Bibliothek Suhrkamp) Frankfurt 1977, S. 7.Google Scholar
  10. 47.
    Benno v. Wiese: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. 3. Aufl. Hamburg 1955, S. 325.Google Scholar
  11. 51.
    Hans Henny Jahnn: Werke und Tagebücher. Dramen I. Hamburg 1974. Bd. IV, S. 463; 499.Google Scholar
  12. 59.
    Hier zitiert nach dem von H. Sembdner hg. Band »Penthesilea. Dokumente und Zeugnisse«. Frankfurt 1967, S. 18/19.Google Scholar
  13. 63.
    Siegfried Streller: Das dramatische Werk Heinrich von Kleists. Berlin 1966. S. 110.Google Scholar

Brentanos naive und sentimentalische Poesie

  1. 2.
    Schillers Werke. Nationalausg. (= NA), Bd. XXII, hrsg. v. H. Meyer, Weimar 1958, S. 246.Google Scholar
  2. 5.
    Hermann August Korff: Geist der Goethezeit, Teil IV, Leipzig 1953, S. 206.Google Scholar
  3. 6.
    Emil Statiger: Die Zeit als Einbildungskraft des Dichters. Untersuchungen zu Gedichten von Brentano, Goethe und Keller. Zürich 1939, S. 30: »Diese Rangordnung der Laute finden wir überall bestätigt bei Brentano, der nach Nietzsches Wort von allen deutschen Dichtern am meisten Musik im Leibe hat …«Google Scholar
  4. 7.
    Emil Staiger: Grundbegriffe der Poetik, Zürich 1946, S. 84.Google Scholar
  5. 13.
    Walter Killy: Wandlungen des lyrischen Bildes, Göttingen 1956, S. 62. — Über Killys Nähe zu Staigers Brentano-Bild vgl. jetzt auch Wolfgang Frühwald: Stationen der Brentano-Forschung 1924–1972, in: DVJS, Sonderheft, 1973, S. 230/31.Google Scholar
  6. 14.
    Richard Alewyn: Clemens Brentano: »Der Spinnerin Lied«, jetzt in: Interpretationen. Deutsche Lyrik von Weckherlin bis Benn, hrsg. v. J. Schillemeit. Frankfurt a. M. 1965 (Fischer-Bücherei), S. 155.Google Scholar
  7. 17.
    Hans Magnus Enzensberger: Brentanos Poetik, München 1961; über Böckmanns Aufsatz: S. 17, S. 145 und andernorts.Google Scholar
  8. 20.
    Vgl. neuerdings Hans Peter Neureuter, Das Spiegelmotiv bei Clemens Brentano, Frankfurt a. M. 1972, S. 77/80. Ober sehr allgemeine Umschreibungen gelangt der Verfasser nicht recht hinaus.Google Scholar
  9. 21.
    Thomas Mann: Gesammelte Werke, Bd. VI, Frankfurt a. M. 1960, S. 243. Über die Brentano-Gesänge im »Doktor Faustus« hat John Fetzer in einem Vortrag während des Brentano-Kolloquiums im Freien Deutschen Hochstift, im Sept. 1978, gehandelt.Google Scholar
  10. Vgl. J. F. Fetzer: Nachklänge Brentanoscher Musik in Thomas Manns »Doktor Faustus«, in: Clemens Brentano. Beiträge des Kolloquiums im Freien Deutschen Hochstift 1978, hrsg. v. Detlev Lüders, Tübingen 1980, S. 33–47.Google Scholar
  11. 27.
    Rudolf Borchardt (Hrsg.), Ewiger Vorrat deutscher Poesie, München 1926.Google Scholar
  12. Darin: »Der Jäger an den Hirten«, S. 322–327, hier unter dem Titel »Schicksalslied«. — Brentanos Gedichte, hg. v. Werner Vordtriede, Frankfurt a. M. 1963 (Insel-Bücherei).Google Scholar
  13. 29.
    Karl Viëtor: Der alte Brentano, in: DVjs. II (1924), S. 556 ff.Google Scholar
  14. 30.
    Novalis: Briefe und Werke, hg. v. E. Wasmuth, Heidelberg 1963, Bd. III, S. 628.Google Scholar
  15. 32.
    Heinz Politzer: Das Schweigen der Sirenen, in: DVjs. Jg. 41, 1967. Jetzt in: H. P.: Das Schweigen der Sirenen. Studien zur deutschen und österreichischen Literatur, Stuttgart 1968, S. 13/41. — Über Brentanos »Sirenenlyrik«: S. 24/25.Google Scholar
  16. 33.
    Ernst Beutler: »Der König in Thule« und die Dichtungen von der Loreley, in: Essays um Goethe, Band 2, Wiesbaden 1947, S. 327.Google Scholar
  17. 45.
    Wilhelm Schellberg: Clemens Brentano und Philipp Otto Runge, in: Literaturwiss. Jahrb. d. Görres-Gesellsch. 8 (1936), S. 166/215.Google Scholar
  18. 50.
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  19. 51.
    Vgl. H. M. Enzensberger (Brentanos Poetik, München 1961, S. 115): »Daß der Anschein der ›Naturpoesie‹ durchaus trügt, ist allerdings unschwer zu erkennen …«Google Scholar
  20. 53.
    Vgl. Johannes Pfeiffer: Wege zur Dichtung. Eine Einführung in die Kunst des Lesens, Hamburg 1952, S. 48 f. über »Der Spinnerin Lied.« Betont werden die Tongestalt, der Grundklang, das Suggestive. Auf die Klangfiguren der Monotonie geht Pfeiffer nicht ein.Google Scholar
  21. 57.
    Elisabeth Stopp hat das mit gebührendem Nachdruck betont: Die Chronika des fahrenden Schülers (Reclam Universalbibl. Nr. 9312/3); ferner: Brentano’s ›Chronika‹ and its Revision, in: Sprache und Bekenntnis. H. Kunisch zum 70. Geburtstag, hg. v. W. Frühwald u. G. Niggl, Berlin 1971, S. 171 ff. Vgl. auch Michael Huber: Die Chronika des fahrenden Schülers. Eine Analyse der Figurenkonstellation und der kompensatorischen Prinzipien der Urfassung. Bern/München 1976.Google Scholar
  22. 62.
    Hölderlin: Sämtliche Werke, Bd. 3, hg. v. F. Beißner, Stuttgart 1957, S. 537.Google Scholar
  23. 70.
    Heinrich Henel Erlebnisdichtung und Symbolismus, in: DVjs. 32 (1958). S. 82.CrossRefGoogle Scholar
  24. 71.
    Claude David: Clemens Brentano, in: Die deutsche Romantik, hg. v. H. Steffen. Göttingen 1967, S. 174. — Vgl. ferner das instruktive Kapitel »Das Naturverhältnis« bei H. P. Neureuter, dort S. 37ff.Google Scholar
  25. 72.
    Hans Mayer: Zur deutschen Klassik und Romantik, Pfullingen 1963, S. 266.Google Scholar
  26. 75.
    Zum Privaten lyrischer Poesie vgl. E. Staiger (Grundbegriffe, S. 54): »Denn ein unerklärliches Wunder ist jeder echte lyrische Vers [..] Er ist das Privateste, Allerbesonderste, was sich auf Erden finden läßt.« — Das Zitat G. Benns in: Ein Briefwechsel zwischen Alexander Lernet-Holenia und G. Benn, Wiesbaden 1954, S. 21.Google Scholar

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