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»Hommage à Mozart«

Überlegungen zu Der Zauberflöte zweiter Theil
Chapter

Zusammenfassung

Goethe hat mehrfach bezeugt, daß er Mozart — wie adäquat er seine Musik auch verstanden haben mag — als eine prototypische Erscheinung des Genialen ansah. Ein Genie wie Raffael war er ihm: von der Gunst der »Götter« beglänzt, von den »Dämonen« umlauert. Freilich hatte er es nicht ganz leicht, das Neue der mozartschen Tonsprache gleich zu gewahren. »Die Entführung aus dem Serail« mißfiel ihm anfangs so, daß er sie gar nicht zu Ende anhörte. Als ihm aber dann die Bedeutung gerade dieses Werks aufging, kam es zu dem Ausruf: Die Entführung schlug alles nieder! [1] — und das bezog sich auch darauf, daß ihm seine eignen Singspielversuche, in den Kompositionen etwa Kaysers, Reichardts u. anderer nun gründlich überholt erschienen. Wir erinnern uns auch, daß Goethe zu den ersten gehörte, welche die revolutionäre Bedeutung des »Don Giovanni« erkannten. Und an Schiller schreibt er am 30. Dezember 1797: Ihre Hoffnung, die Sie von der Oper hatten (denn Schiller hatte im vorhergehenden Brief von der Operngattung geschwärmt, weil sie auf servile Naturnachahmung verzichte und das Ideale auf dem Theater erlaube), würden Sie neulich im Don Juan auf einen hohen Grad erfüllt gesehen haben, dafür steht aber auch dieses Stück ganz isoliert und durch Mozarts Tod ist alle Aussicht auf etwas Ähnliches vereitelt. Dem Sinne nach gleichlautende Äußerungen über die »Zauberflöte« ließen sich hier anreihen. Und fast alle enthalten das Bedauern darüber, daß, nachdem die Dämonen (wie Goethe es später einmal drastisch formulierte) unter anderen Genialen so auch Mozart ein Bein gestellt hatten (zu Eckermann, 11. März 1828), es nie mehr dazu kommen werde, daß Mozart Goethes Worte, Libretti — oder, wie er im Alter klagte, gar den Faust komponiert hätte.

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Nachweise und Anmerkungen

  1. 6.
    Max Kommereil: Gedanken über Gedichte, Frankfurt 1943, S. 401.Google Scholar
  2. 7.
    Vgl. Arthur Henkel: Entsagung. Eine Studie zu Goethes Altersroman, Tübingen 21964, S. 89ff. undGoogle Scholar
  3. Friedrich Ohly: Zum ›Kästchen‹ in Goethes ›Wanderjahren‹, in: Zeitschrift fur deutsches Altertum 91, 1962, S. 255. 262.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1982

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