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Wilhelm Meisters Wanderjahre

Zeitkritik und Prognose? Ein Vortrag
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Zusammenfassung

Es ist wohl einer der »schwierigsten« Romane der deutschen Literatur überhaupt: jene (zunächst) spröde, in ihrer neuen Qualität oft verkannte, Leser und Interpreten provozierende, in der Analyse immer reizvoller werdende — und altersweise Fortsetzung von Wilhelm Meisters Lehrjahren, die Goethe — den Graden des Handwerks entsprechend — Wilhelm Meisters Wanderjahre nannte. Zugleich fügte er einen Untertitel hinzu, wie das der Roman des 18. Jahrhunderts liebte. Hier aber gewinnt dieser aus der Mode gekommene Brauch der Romanverfasser einen keineswegs altfränkischen, sondern komplementären Sinn. Er lautet: oder die Entsagenden. In der Tat zeigt der Altersroman Goethes eine ganze Riege von Entsagenden. Sie verzichten (oder müssen verzichten) auf unmittelbare Glückserfullung, sie haben zu entbehren. Ich will das am Titelhelden, Wilhelm Meister, erläutern. Nach seiner Verlobung mit der adligen Natalie, jener (wie Schiller zuerst erkannte) weiblichen Idealgestalt von »schöner Seele« in den Lehrjahren, hat er — dem Geheiß jener Gesellschaß vom Turm gehorsam, die hier wiederum Schicksal spielt — auf Wanderschaft zu gehen. Er darf die Geliebte während des ganzen Romans nicht wiedersehen, ihr aber Briefe schreiben. Und er darf allein auf Wiedervereinigung hoffen in der amerikanischen Kolonie, die jene Gesellschafi vom Turm, nunmehr erweitert zu einer Aus wanderer gruppe von europamüden, indessen tüchtigen, tatkräftigen Handwerkern, zu gründen die Absicht hat.

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Nachweise und Anmerkungen

  1. 1.
    Klaus Friedrich Gille: ›Wilhelm Meisten im Urteil der Zeitgenossen‹. (Dissertation, Leiden 1971).Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1982

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