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Die »verteufelt humane« Iphigenie

Ein Vortrag
Chapter
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Zusammenfassung

Vor kurzem las ich in den makabren Geschichten des amerikanischen Schriftstellers Ambrose Bierce, der 1842 geboren wurde und, nach einem mühsamen Leben als Journalist, 1913 in Mexiko verschwand. Erst in unserer Zeit, welche so offensichtlich die schwarzen Asphodelen der Poesie liebt, ist sein sardonischer Humor, die Prägnanz seiner bedrängenden Schreckensbilder zu einigem Ruhm gelangt. Oft besteht der makabre Witz seiner Geschichten darin, daß das Grauenhafte im Tone der Selbstverständlichkeit erzählt wird — z.B. das Umbringen der Eltern; die dann auch noch, wie in der Geschichte »Oil of dog« zu lesen ist, in demselben Kessel mitverkocht werden, in dem der Vater gewöhnlich das Fett geschlachteter Hunde gewann. Also dieser Ambrose Bierce schockiert uns, mit Lust — so scheint es. Oder — aus Not? Im Nachwort dieses Bandes von Geschichten jedenfalls las ich folgende Sätze des Literarkritikers Edouard Roditi: »Wie sehr Bierce aber auch unsere konventionellen zarten Gefühle schockiert, heute wissen wir unglückseligerweise, daß er niemals, nicht einmal in den ausschweifendsten Momenten makabrer Phantasie und schwarzen Humors, irgend etwas erfinden konnte, was an Grauenhaftigkeit die sadistischen Streiche übertrifft, die anscheinend normale Menschen ihren Opfern spielen, wenn ihnen plötzlich … uneingeschränkte Macht über Tod und Leben verliehen ist …« Er erinnert an die gehäuften Greuel unseres Jahrhunderts und fährt fort: »Aber wenn Bierce’s Witz solche Schrecken, die erfundene Schrecken bleiben, schildert, verfolgt er eine humane Absicht.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1982

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