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Lyrische Maskerade Das Problem der Gedankeneinheit in Heines »Morphine«

  • Ralph Häfner
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Zusammenfassung

Heinrich Heines Gedicht »Morphine« gehört zu den bekanntesten Produktionen seines letzten Lebensabschnitts, der so genannten »Matratzengruft«. Es dürfte nicht lange vor dem 10. September 1851 entstanden sein, als er es in einem Brief an seinen Hamburger Verleger Julius Campe erwähnt.1 Heine hatte es ursprünglich für den Zyklus »Lamentazionen« der späten Gedichtsammlung »Romanzero« vorgesehen, schied es aber während der Drucklegung wieder aus. Bevor wir uns der Motiventwicklung im einzelnen zuwenden, werfen wir zunächst einen Blick auf das Gedicht als Ganzes:

Groß ist die Aehnlichkeit der beiden schönen

Jünglingsgestalten, ob der Eine gleich

Viel blässer als der Andre, auch viel strenger,

Fast möcht ich sagen viel vornehmer aussieht

Als jener Andre, welcher mich vertraulich

In seine Arme schloß — Wie lieblich sanft

War dann sein Lächeln und sein Blick wie selig!

Dann mocht es wohl geschehn, daß seines Hauptes

Mohnblumenkranz auch meine Stirn berührte

Und seltsam duftend allen Schmerz verscheuchte

Aus meiner Seel’ — doch solche Linderung

Sie dauert kurze Zeit, genesen gänzlich

Kann ich nur dann, wenn seine Fackel senkt

Der andre Bruder, der so ernst und bleich. —

Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser — freylich

Das Beste wäre, nie geboren seyn. (DHA III, 277)

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Anmerkungen

  1. 2.
    S. S. Prawer: Heine, The Tragic Satirist. A Study of the Later Poetry 1827–1856, Cambridge 1961, S. 226.Google Scholar
  2. 5.
    Jeffrey L. Sammons: Heinrich Heine, The Elusive Poet. New Haven, London 1969, S. 400: »The final lines, echoing Ecclesiastes 4:2–3 and Sophocles’ Oedipus at Colonus, II.1224—26«. Für das Motiv der beiden Jünglinge in der deutschen Literatur verweist Sammons auf die Untersuchung von Henry Hatfield: Aesthetic Paganism in German Literature. Cambridge, Mass. 1964, S. 24–32 (= Chapter II: »The Ancient Image of Death: Lessing and His Impact«). Im Ausgang von Win-ckelmann und Lessing führt Hatfield Verwendungen des Motivs bei Schiller und Novalis an und berührt am Ende sehr knapp Nikolaus Lenau, Joseph von Eichendorff, Heine und Thomas Mann. Daran anknüpfend Ludwig Uhlig: Der Todesgenius in der deutschen Literatur von Winckelmann bis Thomas Mann. Tübingen 1975. — Man steht immer etwas ratlos vor derartigen motivgeschichtlichen Arbeiten, weil sie die realen Rezeptionsverhältnisse in ihrem sozialgeschichtlichen Kontext abzubilden nicht in der Lage sind.Google Scholar
  3. 6.
    Vgl. Paul Peters: Die Abbildung des Bildlosen. Zu Heinrich Heines »Morphine«. — In: HJb 30 (1991), S. 134–151. 7 Ebd., S. 137.Google Scholar
  4. 8.
    Vgl. Rena Schiein: Ein Gedicht aus dem »Lazarus« und seine Quellen. — In: HJb 13 (1974), S. 47–52.Google Scholar
  5. 9.
    Vgl. Heinz Wetzel: Formfragen in Heinrich Heines »Morphine«. — In: HJb 32 (1993), S. 148–154. — Der Irrtum erscheint wohl zum erstenmal bei Jeffrey L. Sammons [ Anm. 5], S. 400 (»the powerful unrhymed poem Morphine«). Google Scholar
  6. 13.
    Vgl. Christoph auf der Horst und Alfons Labisch: Heinrich Heine, der Verdacht einer Bleivergiftung und Heines Opium-Abusus. — In: HJb 38. (1999), S. 105–131.Google Scholar
  7. 14.
    Vgl. hierzu: Felix Melchior: Heinrich Heines Verhältnis zu Lord Byron. Berlin 1902 (= Diss. Univ. Leipzig);Google Scholar
  8. Cedric Hentschel: Byron and Germany. The Shadow of Euphorion. — In: Byron’s Political and Cultural Influence in Nineteenth-Century Europe. A Symposium, hrsg. v. Paul Graham Trueblood, London, Basingstoke 1981, S. 59–90;Google Scholar
  9. Gerhart Hoffmeister: Byron und der europäische Byronismus. (Erträge der Forschung. Bd. 188), Darmstadt 1983, S. 108–112 (»Heine und Byron«);Google Scholar
  10. Michael Perraudin: Heine, the German Byron. — In: Colloquia germanica 19 (1986), S. 242–273.Google Scholar
  11. 23.
    Vgl. Lord Byron: The Destruction of Semnacherib. — In: The Complete Poetical Works [Anm. 17], Bd. III. Oxford 1981, S. 309.CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Ralph Häfner
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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