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Ironie und Distanz bei Heine

  • Joseph A. Kruse
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Zusammenfassung

Über »Ironie bei Heine sprechen« heiße, wie einer der exzellentesten Heine-Forscher der jüngeren Vergangenheit, nämlich Wolfgang Preisendanz, der als Germanist in Konstanz lehrte, bereits 1970 festgestellt hat, »vor jedem literarisch beschlagenen Publikum Eulen nach Athen tragen«.1 Auf die Gefahr hin, dass wir hier jetzt also eine ganze Voliere mit Eulen der Weisheit, gewissermaßen als Konkurrenz zum Berliner Zoo oder auch passend zum Tiergarten, eröffnen müssen, wage ich dennoch so furchtlos wie mutig über einen alten Hut zu reden, der ganz offensichtlich zu den Hauptrequisiten jeder Beschäftigung mit dem aus Düsseldorf stammenden und 1856 noch nicht einmal 6ojährig in Paris gestorbenen Dichter gehört. Es sei mir erlaubt, dieses Thema zu diesem Anlass aus dem Rucksack der heineschen Wegzehrung, beispielsweise bei der Besteigung des Loreleyfelsens im »Abendsonnenschein« samt seinen sämtlich goldenen Attributen, zu holen. Dem Dichter haftet eben diese Qualität der Ironie an, die ihm einerseits als positives Markenzeichen ausgelegt, andererseits nach beleidigt altbackener Manier als negative Eigenschaft angekreidet wird. Das Thema wurde immer auch als eines der »Distanzierung zum Publikum durch Ironie« begriffen, wobei Heines Weise des ironischen Sprachgebrauchs und seiner Bildwelten von der sogenannten »romantischen Ironie« abgegrenzt, als »Prinzip der Relativierung« charakterisiert und in seiner politischen »Funktion«, zum Beispiel was die Zensur angeht (man nehme etwa seine »Zeitgedichte« aus dem Vormärz), erkannt wurde.2

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Anmerkungen

  1. 1.
    Wolfgang Preisendanz: Ironie bei Heine. — In: Albert Schaefer (Hrsg.): Ironie und Dichtung. München 1970, S. 86 f. — S. auch seinen Beitrag: Der Ironiker Heine. Ambivalenzerfahrung und kommunikative Ambiguität. — In: Gerhard Höhn (Hrsg.): Ästhetisch-politische Profile. Frankfurt a. M. 1991, S. 101–115.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Ursula Lehmann: Popularisierung und Ironie im Werk Heinrich Heines. Die Bedeutung der textimmanenten Kontrastierung für den Rezeptionsprozeß. Frankfurt a. M. u. Bern 1976, hier bes. S. 86–106.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Menge-Güthling: Enzyklopädisches Wörterbuch der griechischen und deutschen Sprache. 1. Teil: Griechisch-Deutsch. Berlin 13. Aufl. 1955, S. 210.Google Scholar
  4. 6.
    Beda Allemann: Art. Ironie. — In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. 2. Aufl., Bd. I, Berlin 1958, S. 756–761, hier S. 756 f. u. 759. — Vgl. die vielen sich auf die Ironie beziehenden Einträge im Sachregister des Reallexikons, Bd. V, Berlin 1988, S. 185 f.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2004

Authors and Affiliations

  • Joseph A. Kruse
    • 1
  1. 1.DüsseldorfDeutschland

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