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Heinrich Heines »Harzreise« und »Die Tänzerin von Izu« von Kawabata Yasunari. Eine literarische Gegenüberstellung

  • Hilaria Gössmann
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Part of the Heine-Jahrbuch book series (HEIJA)

Zusammenfassung

Heines »Harzreise« erschien 1826, genau 100 Jahre später die japanische Erzählung »Izu no odoriko« (in deutscher Übersetzung »Die Tänzerin von Izu«) von Kawabata Yasunari (1899–1972), der als erster japanischer Schriftsteller den Nobelpreis erhielt. In beiden autobiographisch geprägten Werken lässt ein junger Student die Stadt seiner Universität — und damit Zivilisation und gesellschaftliche Zwänge — hinter sich, und begibt sich auf eine Wanderung durch eine landschaftlich reizvolle Gegend. Heine führt uns in das Harzgebirge, Kawabata auf die Halbinsel Izu in der Nähe von Tokio, wegen der heißen Quellen und des milden Klimas bis heute das wichtigste Erholungsgebiet für die Bevölkerung Tokios. In beiden Werken hat die Wanderung eine heilsame Wirkung auf den Ich-Erzähler, der sich in einer Krisensituation befindet.1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Der vorliegende Aufsatz basiert auf einem Vortrag. der im Juni 2001 in der Reihe »Heine und … Heine-Rezeption im 20. Jahrhundert« im Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf, gehalten wurde. — Die japanischen Namen werden in der in Japan üblichen Reihenfolge genannt, d. h. der Familienname wird vorangestellt.Google Scholar
  2. 2.
    Hainrihi Haine, Harutsu kikô, übersetzt von Funaki Shigenobu, Tokyo 1948.Google Scholar
  3. 3.
    Die Erzählung liegt im Deutschen in zwei verschiedenen Übersetzungen mit unterschiedlichen Titeln vor: »Die Tänzerin«, übersetzt von Wolfgang Schamoni, Frankfurt 1994 und »Das Ballettmädchen. Eine Berliner Novelle« übersetzt von Jürgen Berndt, Berlin 1994. Das Werk wurde 1992 in deutsch-japanischer Koproduktion verfilmt.Google Scholar
  4. 4.
    Einen Vergleich dieser Erzählung mit Fontanes »Effi Briest« bietet Herbert Uerlings: Ehre, Ehre, Ehre. Zu einem deutsch-japanischen Thema bei Mori Ôgai und Theodor Fontane. — In: Japanstudien. Jahrbuch des Deutschen Instituts für Japanstudien der Philipp-Franz-von-Siebold-Stiftung VIII, 1996, S. 77–105.Google Scholar
  5. 5.
    Zur Reiseliteratur vgl.: Friedrich Sengle: Biedermeierzeit. Bd. II, Stuttgart 1972, S. 238–277.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Ralf Klinkenberg: Die Reisebilder Heinrich Heines. Vermitdung durch literarische Stilmittel. Frankfurt/M. 1981; Klaus Pabel: Heines »Reisebilder«. Ästhetisches Bedürfnis und politisches Interesse am Ende der Kunstperiode. München 1977; zum Verhältnis von Publizistik und poetischer Literatur in der »Harzreise« vgl. Gerhard Höhn: Heine-Handbuch. Zeit, Person, Werk. Stuttgart 1987, vor allem die Abschnitte: »Die Reisebilder: Das Gesamtprojekt« und »Die Harzreise«, S. 147–166.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. hierzu Ottmar Ette: Literatur in Bewegung. Raum und Dynamik grenzüberschreitenden Schreibens in Europa und Amerika. Weilerswist 2001, S. 33: »Der Reisende bewegt sich durch die verschiedenen sozialen Gruppen und Schichten des von ihm bereisten Landes oft mit einer Leichtigkeit, die dem Einheimischen insbesondere in den stärker hierarchisierten Gesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts weitgehend unzugänglich bleibt.«Google Scholar
  8. 8.
    Klaus Briegleb: Kommentar zur »Harzreise«. — In: Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in 12 Bänden, hrsg. v. K. Briegleb. München 1976, Bd. IV, S. 720.Google Scholar
  9. 9.
    HSA XX, 178.Google Scholar
  10. 10.
    Zu Biographie und literarischem Schaffen von Kawabata Yasunari vgl. Irmela Hijiya-Kischnereit: Kawabata Yasunari. — In: Japanische Gegenwartsliteratur: Ein Handbuch. Hrsg. v. I. Hijiya-Kirschnereit. München 2000.Google Scholar
  11. 11.
    Norbert Altenhofen Harzreise in die Zeit. Zum Funktionszusammenhang von Traum, Witz und Zensur in Heines früher Prosa. — In: Schriften der Heinrich-Heine-Gesellschaft Düsseldorf 5. 1972, S. 39.Google Scholar
  12. 12.
    Zur Verwendung ironischer Brechungen vgl. Ursula Lehmann: Popularisierung und Ironie im Werk Heinrich Heines. Die Bedeutung der textimmanenten Kontrastierung für den Rezeptionsprozeß. Frankfurt/M. 1976.Google Scholar
  13. 13.
    Auf die politischen Intentionen der »Harzreise« hat vor allem Jost Hermand hingewiesen. Vgl. hierzu Jost Hermand: Der frühe Heine. München 1976; siehe auch im Kommentarteil zur »Harzreise« in der DHA, S. 518–562.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. hierzu Hijiya-Kischnereit [Anm.10], S. 100.Google Scholar
  15. 15.
    Wie Heine mit dem Autor-Ich in seinem Werk umgeht vgl. Monika Salmen: Das Autor-Ich im »Wintermärchen«. — In: Heinrich Heine. Deutschland. Ein Wintermärchen, hrsg. v. Wilhelm Gössmann und Winfried Woesler. Düsseldorf 1986, S. 139–142.Google Scholar
  16. 16.
    Altenhofer [Anm. 11], S. 8.Google Scholar
  17. 17.
    DHA VI, 136f. — Die Hinweise auf »stralende Lieder«, »ewige Dithyramben« und »freudigste Sangesfülle« entsprechen der Realität der Harzreise, auf der Heine viele Gedichte für das »Buch der Lieder« schreiben konnte. Vgl. Mende, S. 46 (September 1824).Google Scholar
  18. 18.
    Zitiert wird nach: Kawabata Yasunari: Die Tänzerin von Izu. Übersetzt von Oscar Benl, Stuttgart 1984.Google Scholar
  19. 19.
    Kawabata Yasunari: Izu no odoriko. — In: Kawabata Yasunari zenshû (Kawabata Yasunari Gesamtausgabe), Bd. II, Tôkyô 1985, S. 296. In der deutschen Übersetzung von Oscar Benl wurde dieser Ausdruck mit »ein fast grünfarbener, aufgedunsener alter Mann« (S. 5) übersetzt.Google Scholar
  20. 20.
    Andreas Mrugalla: Izu no odoriko. — In: Kindlers Neues Literaturlexikon. Hrsg. v. Walter Jens. München 1990, S. 240.Google Scholar
  21. 21.
    Kawabata [Anm. 18], S. 25.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. hierzu Renate Jaschke, Yukiguni. In: Kindlers Neues Literaturlexikon [Anm. 20], S. 244f.Google Scholar
  23. 23.
    Kanai Keiko: Izu no odoriko. Iyasareru koto e no yume (»Izu no odoriko« — Der Traum, geheilt zu werden). — In: Kokubungaku. Kaishaku to kyôzai no kenkyû, März 2001, S. 67.Google Scholar
  24. 24.
    Kawabata [Anm. 18], S. 25.Google Scholar
  25. 25.
    Ebd., S. 14f.Google Scholar
  26. 26.
    Ebd., S. 15f.Google Scholar
  27. 27.
    Ebd., S. 31.Google Scholar
  28. 28.
  29. 29.
    Ebd., S. 35.Google Scholar
  30. 30.
    Ebd., S. 38.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. zu dieser Verfilmung Keiko I. McDonalds: A Lyrical Novella Revamped. — In: From Book to Screen. Modern Japanese Literature in Film. New York und London 2000, S. 85–98.Google Scholar
  32. 32.
    Taschenbuchausgaben seiner Gedichte erfahren in Japan ständig Neuauflagen.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Hijiya-Kischnereit [Anm. 10], S. 101.Google Scholar
  34. 34.
    Ebd., S. 107.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. zur Dimension des autobiographischen Schreibens in der japanischen Literatur Hilaria Gössmann: Schreiben als Befreiung. Autobiographische Romane und Erzählungen von Autorinnen der Proletarischen Literaturbewegung Japans. Wiesbaden 1992. Eine der hier behandelten Erzählungen liegt in deutscher Übersetzung vor: Sata Ineko: Scharlachrot. München 1987.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

Authors and Affiliations

  • Hilaria Gössmann
    • 1
  1. 1.TrierDeutschland

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