Advertisement

Wahrheit und Widersprüche in Heinrich Heines »Buch der Lieder«

  • Karin Sousa
Chapter
  • 24 Downloads
Part of the Heine-Jahrbuch book series (HEIJA)

Zusammenfassung

In einigen Gedichten aus der »Heimkehr«, die sich etwa in der Mitte des BdL befinden, wird das »Liebesleid« besonders drastisch beschrieben, da ist vom »Tod in der eignen Brust« und nahenden »Höllenmächten« die Rede, da heißt es: »ich sterbe vor Schmerzen«, »Und ich schieß’ mich todt im Ernst« (DHA I, 243, 259, 271, 267).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Peter von Matt: Liebesverrat. Die Treulosen in der Literatur, München 1991, S. 194.Google Scholar
  2. 2.
    Es hat eine lange Tradition, dass die Frau in Form der Schlange Falschheit, Betrug, Lüge und Verrat verkörpert; im BdL heißt es: »O süße Augen, fromme Liebessterne, / Obschon ihr mir im Wachen oft gelogen, / Und auch im Traum, glaub’ ich euch dennoch gerne!« (DHA I, 25); vgl. auch »Junge Leiden«, »Lieder« VI und VII; »Sonette« VII; »Lyrisches Intermezzo« XIII, XVI, XXI (DHA I, 61ff., 127, 145, 149, 153). Der Vorwurf der Falschheit trifft den Konkurrenten im Vergleich seltener, vgl. DHA I, 25ff.; die ›Welt‹ ist ganz wesentlich durch Falschheit gekennzeichnet: »Ich schaue durch die steinern harten Rinden / Der Menschenhäuser und der Menschenherzen, / Und schau’ in beiden Lug und Trug und Elend« (DHA I, 303).Google Scholar
  3. 3.
    An anderer Stelle scheint es selbst nicht mit letzter Gewissheit zu wissen, ob es wahrhaft fühlt (DHA I, 111); dieses Gedicht macht deutlich, wie unterschiedlich Bedeutungen erzeugt werden und wie unterschiedlich damit Wahrnehmung ausfällt.Google Scholar
  4. 4.
    Gerhard Roth: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Frankfurt/M. 2001, S. 373.Google Scholar
  5. 5.
    So findet sich im BdL z. B. keine »Wahrheitsbeteuerung«, die Weinrich als »Lügensignal par excellence« (Linguistik der Lüge, 6München 2000, S. 72) ansieht, vielmehr werden auch rückblickend noch Fähigkeit zur Lüge und Vollzug der Lüge gestanden, vgl. DHA I, 389.Google Scholar
  6. 6.
    Franz Kafka: Briefe an Milena. Hrsg. von Willy Hass. — In: Franz Kafka. Gesammelte Werke. Hrsg. von Max Brod. Frankfurt/M., New York 1952, S. 260.Google Scholar
  7. 7.
    Diese Verselbstständigung wird bereits im ersten Gedicht des BdL thematisiert, in dem das »Lied« zur Sprache kommt, das seine ›Figuren‹ überlebt (DHA 1, 17).Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. dazu z. B. das Gedicht »Weitere Gründe dafür, daß die Dichter lügen« von Hans Magnus Enzensberger (Gedichte 1950–1985. Frankfurt/M. 1986, S. 120).Google Scholar
  9. 9.
    Theodor W. Adorno: Die Wunde Heine, in: Noten zur Literatur. Frankfurt/M. 1998, Bd. II, S. 97.Google Scholar
  10. 10.
  11. 11.
    Ebd., S. 96.Google Scholar
  12. 12.
    Die Rede, die kurz zuvor noch etwas Besonderes hatte und guten Gewissens mit den Zeilen schließen konnte: »Und vor deinem Fenster soll klingen / Das Lied der Nachtigall« (DHA I, 75), wird hier nachträglich sentimentalisiert. Der Glaube an die »Symbole« (DHA XII, 75) wird hinterfragt und alle bürgerliche Naturseligkeit damit als falsch und verlogen entlarvt. Die »Entartung« der Natur kommt dann in den »Neuen Gedichten« besonders deutlich zu Ausdruck: Hat die Natur sich auch verschlechtert, Und nimmt sie Menschfehler an? Mich dünkt die Pflanzen und die Thiere, Sie lügen jetzt wie jedermann. […] Ich zweifle auch, ob sie empfindet, Die Nachtigall, das was sie singt; Sie übertreibt und schluchzt und trillert Nur aus Routine, wie mich dünkt. […]. (DHA II, 115)Google Scholar
  13. 13.
    Adorno [Anm. 9], S. 100.Google Scholar
  14. 14.
    Kafka, Briefe an Milena [Anm. 6], S. 208.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. insbesondere DHA I, 145.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. dazu das Kapitel: Können Wörter lügen? — In: Harald Weinrich: Linguistik der Lüge. 6München 2000, S. 34ff.Google Scholar
  17. 17.
    Friedrich Nietzsche: Kritische Studienausgabe, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. München 1988, Bd. II, S. 86.Google Scholar
  18. 18.
    Adorno [Anm. 9], S. 99.Google Scholar
  19. 19.
    In diesen Zusammenhang gehört auch Heines Kritik am Konzept der Ganzheit, die z. B. in den »Bädern von Lukka« deutlich zum Ausdruck kommt, wenn es heißt: »Einst war die Welt ganz, im Alterthum und im Mittelalter, trotz der äußeren Kämpfe gabs doch noch immer eine Welteinheit, und es gab ganze Dichter. Wir wollen diese Dichter ehren und uns an ihnen erfreuen; aber jede Nachahmung ihrer Ganzheit ist eine Lüge […].« (DHA VII, 95) Diese Kritik, die eine Kritik an der Nachahmungsästhetik schlechthin beinhaltet, bedarf einer gesonderten Untersuchung.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Nietzsches Antwort auf die Frage: »Was ist also Wahrheit?«: »Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, canonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind. […] Nun vergißt freilich der Mensch, daß es so mit ihm steht; er lügt also in der bezeichneten Weise unbewußt und nach hundertjährigen Gewöhnungen — und kommt eben durch diese Unbewußtheit, eben durch dies Vergessen zum Gefühl der Wahrheit […]« (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. — In: Friedrich Nietzsche: Gesamtausgabe, hrsg. von Friedrich Koegel. Bd X, Nachlaß 1872–1876. Leipzig 1896, S. 161).Google Scholar
  21. 21.
    Erfahrbar wird dadurch, dass das Verständnis des einzelnen Gedichts stark vom Bedeutungszusammenhang abhängt, in den es vom individuellen Leser eingebettet wird.Google Scholar
  22. 22.
    Aleida und Jan Assmann (Hrsg.): Kanon und Zensur. Archäologie der literarischen Kommunikation II. München 1987, S. 21, die sich bei diesem Begriff wiederum auf E. Voegelein berufen.Google Scholar
  23. 23.
  24. 24.
    Ein Begriff, der von Heine in Bezug auf Cervantes’ »Don Quixote« verwendet wird, der »in den Ritterroman die getreue Schilderung der niederen Klassen einführte« (DHA X, 257f.).Google Scholar
  25. 25.
    Assmann [Anm. 22), S. 21.Google Scholar
  26. 26.
    Sie spielt auch darüber hinaus in Heines Lyrik immer wieder eine Rolle: vgl. z. B. das Gedicht »Rückschau« (»Romanzero«, DHA III, 106).Google Scholar
  27. 27.
    Johann Wolfgang Goethe: Maximen und Reflexionen. Zürich 2001, S. 27.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

Authors and Affiliations

  • Karin Sousa
    • 1
  1. 1.LondonUK

Personalised recommendations