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Berliner Romantik — Berliner Klassizität?

Zur Sonderstellung der preußischen Metropole zwischen Aufklärung und Moderne
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Zusammenfassung

Wenige Vorurteile in der Kunstrezeption sind schwerer zu befehden als die weit verbreitete Anschauung, das Preußentum in Militär und Politik habe sich während des 19. Jahrhunderts eine Kunsthaltung geschaffen, knarrend, hakenschlagend, säbelrasselnd und pompös den Marschtritt verherrlichend, die dem etwas barbarischen Glanz seiner Paraden, dem Kasino-Ton seiner Oberschicht und dem parvenühaften Auftrumpfen seiner Gründerzeit-Fassaden entsprechen. Wenn im Hintergrund von Patrice Chéreaux‘ Ring-Inszenierung immer wieder die Architektur der Reichskanzlei sichtbar wird, so ist darin nicht die Verwertung Wagners durch das Dritte Reich festgehalten, sondern dahinter der Zusammenhang von Preußen, Industrie-Aufschwung und Wagner‘scher Musik, die miteinander erst den Mythos der kleindeutschen Weltmachtverwertung ergeben. Vergeblich der oft wiederholte Hinweis auf den konservativen, scheinbar allen Neuerungen feindselig gegenüberstehenden Grundzug der preußischen Kulturpolitik, vor allem auf dem Theater, bis zum Ende der Glorie 1918: Wie schwer hatten es nicht erst die Naturalisten, die Vorherrschaft der Jamben-Tragödie à la Schiller und Grillparzer zu brechen! Wie schwer wurde es schon Friedrich Hebbel, seine Problemstücke durchzusetzen! Mit welcher Konsequenz wurde Wagners Schaffen im Opernhaus gemieden, das doch seit der Freischütz-Premiere von 1821 sich als das führende Haus ins Deutschland verstand!

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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