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Die maximale Darstellung der Thematik — Albert Camus: L’Etranger (1942)

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Zusammenfassung

War den im Entre-Deux-Guerres erschienenen Texten des Korpus gemeinsam, dass sie Indifferenz, Leid und Tod konzeptiv verklammerten, leidet in Albert Camus’ Roman1 L’Etranger (verfasst 1939, erschienen 1942) niemand mehr an oder unter Indifferenz. Stattdessen wird sie durch eine Institution verurteilt — das Gericht spricht Camus’ Protagonisten Meursault2 schuldig, da “le vide du cœur tel qu’on le découvre chez cet homme devient un gouffre où la société peut succomber.”3 Dieses fehlende Leiden auf der Subjektseite bei gleichzeitiger Verurteilung von Indifferenz durch eine gesellschaftliche Instanz lässt die neue Dimension der Indifferenzthematik aufscheinen, die sich auch in der Frage bricht, ob Meursaults Charakter als individuell-pathologischer Fall beleuchtet werden oder aber die Verurteilung als eine Anklage an die Gesellschaft gedeutet werden muss. Auch der Tod erfährt in Camus’ Roman eine andere konzeptive Wendung: Der Text setzt mit einem Telegramm ein, in dem Meursault vom Tod seiner Mutter erfährt, schreibt sich unter diesem Ereignis fort und endet mit der bevorstehenden Hinrichtung Meursaults. Dazwischen begeht Meursault einen Mord. Ließ sich für die Texte der zweiten Gruppe beobachten, dass die Protagonisten der Indifferenz starben (Périer, Beckett, Guirec), Personen ihrer näheren Umgebung töteten (Périer), in den Tod trieben (Cocteau) oder zu töten versuchten (Moravia), tötet Meursault einen ihm unbekannten Araber — auch dieser scheinbar motivlose Mord markiert die neue Dimension der Thematik.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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