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Leid und Tod (1925–1940)

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Zusammenfassung

Es sind die nach dem Ersten Weltkrieg, im Zeitraum von 1925 bis 1939 entstandenen Texte, für die von einer vollständigen Aus formung der Indifferenzthematik gesprochen werden kann. Sie erreicht ihren Höhepunkt zwischen 1930 und 1950. In keinem der Texte dieser zweiten Gruppe (Odilon-Jean Périer: On s’amuse comme on peut ou les indifférents, Samuel Beckett: Murphy, Jean Guirec: Le Crime des indifférents, Jean Cocteau: Le Bel indifférent) wird Indifferenz in Rückbindung an das thematische Verständnis des 19. Jahrhunderts gedeutet. Erstmals wird das destruktive Potential von Indifferenz erkannt, Tod und Leid sind wesentliche Textbestandteile. Hierbei ist zu differenzieren zwischen Protagonisten, die an der eigenen Indifferenz leiden, und denjenigen, für die aus der Indifferenz eines Gegenübers Leid erwächst. Diese Präsenz von Leid, der Terrorgehalt einer Indifferenz, die jedwede Bindung des Individuums an Um- und Mitwelt nichtet, zeigt die neue Dimension einer Thematik, die nun die Funktion einer Epochendiagnose innehat. Als mögliches Deutungsmuster dieser strukturellen Neuskalierung könnte die durch den Ersten Weltkrieg bedingte veränderte Realitätswahrnehmung greifen, mit der die Umschreibung des Wertesystems und damit der Indifferenz einhergeht. In einer Zeit, in der Spengler für Deutschland den Untergang des Abendlandes (1918) ausruft,1 kann auch Indifferenz eine Form der Auseinandersetzung sein. Dabei kann sie ebenso als Reaktion auf die Unfassbarkeit der historischen Ereignisse gedeutet werden wie auch als Schutzmechanismus im Sinne einer Anpassung an eine neue Weltanschauung, die sich von derjenigen der Gründerzeit und des Jugendstils existentiell unterscheidet, eine Schutzfunktion, die dem Subjekt einen Spielraum offenlässt, in dem es mit der veränderten historischen Situation und ihren Auswirkungen auf die eigene Existenz umzugehen lernt.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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