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Physik im „Dritten Reich“

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Zusammenfassung

Die Weimarer Republik war bis in ihren Alltag hinein von der Vulgarisierung der modernen Physik geprägt gewesen, ein Aspekt, dem von der Forschung bislang kaum Beachtung geschenkt worden ist. Daß es darüber hinaus aber sogar noch eine Kontinuität bis in den NS-Staat hinein gab: daß die moderne Physik- indirekt, ex negativo und sicherlich auch ohne daß die politischen Ästhetisierer sich dessen unmittelbar bewußt waren — selbst noch das Geschehen im „Dritten Reich“ implizit mitbestimmte, blieb gänzlich unbemerkt.2 Dabei liegt zum Verhältnis von Nationalsozialismus und Physik bereits eine ganze Reihe von Publikationen vor. Fast alle haben gemein, daß sie eine Auseinandersetzung mit Personen — „deutschen“ Physikern wie Lenard und Stark etwa oder aber ihren Opponenten, in erster Linie Einstein und Heisenberg — in den Mittelpunkt der Analyse stellen, auch dann, wenn sie dem Anspruch nach konkreten Themen — etwa der Emigration von Physikern oder der Geschichte des deutschen „Uranvereins“ — nachgehen. Charakteristisch für die meisten Beiträge ist, daß „der Nationalsozialismus“ in ihnen als gegebene Größe erscheint und versucht wird, ausgehend von bestimmten nachgezeichneten Episoden der Wissenschaftsgeschichte diese Entität in irgendeiner Form zu „befragen“.3 Sich andeutende Zusammenhänge zwischen nationalsozialistischer „Ideologie“ und dem ihr stets immanenten Konturierungsobjekt, der modernen Physik, bleiben durch vorschnelle Hinweise auf personelle Verquickungen- vorzugsweise zwischen Lenard und Hitler — unbemerkt. Nicht selten kulminiert das Verfahren am Ende in der Formulierung der These, daß Nationalsozialismus und Physik friedlich hätten koexistieren können, wenn Einstein „Arier“ gewesen wäre4 — eine Aussage, die in dieser pauschalisierten Form eindeutig falsch ist, auch wenn die jüdische Abstammung nicht nur Einsteins, sondern einer Vielzahl von führenden Physikern5 natürlich eine zu beachtende Rolle spielte.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2001

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