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Ein „letzter Riese in der Musik“

Gedanken zu Max Reger im 20. Jahrhundert
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Zusammenfassung

Christoph Wolff zum Sechzigsten 1917, ein Jahr nach Max Regers Tod, malte der 33jährige Max Beckmann ein Porträt des Komponisten. Das Ölbild, heute im Besitz des Kunsthauses Zürich, zeigt dieselbe, oft bis zur Brutalität gehende Schärfe der Charakterzeichnung wie Beckmanns bekannte Selbstporträts (Abbildung).2 Ein massiger, unproportionierter Körper füllt den Bildrahmen, sprengt ihn fast; darauf sitzt verquer ein eckiger Kopf, der dicke, weiche Hals quillt aus dem zu engen Kragen heraus, die wie mit Wasser gekämmten Haare stehen über der großen Stirn vom Kopf ab. Die Stirnfalten, die wulstigen Lippen, die verkniffenen Mundwinkel und vor allem die am Beobachter vorbei sehenden, fixierenden Augen hinter den Brillengläsern zeigen einen Künstler, der um seine eigene zutiefst problematische Existenz weiß. Der vornehme dunkle Anzug mit Weste und goldner Uhrkette, der „gute Anzug“, scheint diesem ungeschliffenen Menschen zu eng, unbequem, unpassend, auch die auf den Schenkeln aufliegenden Hände, vor allem die zu weit aus dem Ärmel hervorragende Linke, sprechen dies aus. Porträtiert ist ein Künstler, der sich in die ihn umgebende soziale Sphäre nicht einpassen kann, ein Musiker, dem seine großbürgerliche Welt unbehaglich, unangemessen erscheint — in seiner Isolation eine fast tragische Figur.

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Notizen

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