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Zusammenfassung

Es bedarf wohl keiner Erklärung, daß zum Spielen eines Streichinstrumentes ein Bogen nötig ist. Die Beschaffenheit solcher Bögen unterliegt heute einer weitestgehenden Standardisierung. Das heißt zum Beispiel, daß nahezu alle Violinbögen ähnliche Länge haben, das Gewicht bewegt sich in einem genau umrissenen Rahmen, in der Form der Spitze gibt es kaum Abweichungen, und die Greifstelle ist mit Leder oder Metallfäden umwickelt, so daß nur Fachleute sich der minimalen Unterschiede bewußt sind. Das gleiche gilt für Bratschen, Violoncelli usw. Es stellt sich die Frage, ob Ähnliches auch für frühere Epochen zutrifft. Eine Umfrage unter den heutigen Ausübenden der „Alten Musik“ könnte hier möglicherweise überraschende Antworten zutage fördern. Sogenannte Barockgeiger sind nicht selten recht unbekümmert bei der Kate-gorisierung von Bögen als „Renaissancebogen“, „Barockbogen“ oder als im Englischen „transitional bow“ genannten Exemplaren der Vor- und Frühklassik. Dabei handelt es sich freilich eher um eine Gewohnheit, die aus der modernen Praxis erwachsen ist, als um fundierte Zuordnungen. Obendrein unterliegen die Mitglieder bzw. Aspiranten sogenannter Barockorchester und Streicherensembles einem erheblichen Konformitätsdruck, der auch den Besitz eines „Original-Instrumentes“, möglichst nebst Bogen, mit hohem Prestigegewinn honoriert. Es liegt auf der Hand, daß auf diese Weise eine Nachfrage nach alten Instrumenten entstanden ist, die die begrenzte Zahl erhaltener Objekte bei weitem übersteigt, mit dem Ergebnis, daß zum Beispiel in großer Zahl vergleichsweise gut erhaltene Geigen der Klassik nach immer demselben Muster „barockisiert“ und damit natürlich auch als Dokumente vernichtet werden und die kleine Zahl von frühen Schraubfroschbögen, die alle nach der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sind, überall als Barockbögen präsentiert wird.

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Notizen

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