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„Car tant com dec no só passionat“ oder wie man den Tod der Geliebten wider Erwarten überlebt

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Zusammenfassung

Vom größten Dichter des katalanischen Spätmittelalters, dem 1397 in Valencia geborenen Ausiàs March, sind uns 128 Gedichte überliefert, vor allem Liebesgedichte, aber auch geistliche Lieder und Klagelieder. Letztere, Gedichte auf den Tod der oder einer Geliebten, stehen in der Tradition des mittellateinischen planctus, des altprovenzalischen planh und der altfranzösischen complainte. Hermann Springer hat zu diesen Gattungen vor über hundert Jahren eine noch immer grundlegende Monographie verfaßt, die 1894 der philosophischen Fakultät der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität als Promotionsschrift vorgelegen hat. Springer benennt darin als „stehende und für den Charakter der Gattung typische Grundgedanken“ drei Elemente: „Klage über den erlittenen Verlust, Lob des Verstorbenen und Fürbitte für seine Seele“.1

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Literatur

  1. 1.
    H. Springer: Das Altprovenzalische Klagelied mit Berücksichtigung der verwandten Litteraturen. Berlin 1895, S. 18. Vgl. auch C. Thiry: La plainte funèbre. Turnhout 1978 und die dort in der kritischen Bibliographie angegebene Literatur (S. 9–21), insbes. S.C. Aston: „The Provenç al planh II: the lament for a lady“; in: Mé langes offerts à Rita Lejeune. Gembloux 1969, Bd. 1, S. 5–65, und E. Schulze-Busacker: „La Complainte des morts dans la litté rature occitane“; in: Le sentiment de la mort au moyen âge. Montréal 1979, S. 228–248.Google Scholar
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    Zu einer Deutung der „cants de mort“ vgl. im Zusammenhang R. Archer: Aproximació a Ausiàs March. Barcelona 1996, S. 48–72, Kap. 2. (Ich danke R. Friedlein für den Hinweis auf diese Passage.)Google Scholar
  3. 3.
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    Ebd., S. 259, V. 56. — Die deutschen Übersetzungen sind auch nachfolgend von mir.Google Scholar
  5. 5.
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  6. 6.
    Springer 1895, S. 29f.Google Scholar
  7. 7.
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  8. 8.
    A. Rieger (Hg.): Trobairitz: Der Beitrag der Frau in der altokzitanischen höfischen Lyrik Edition des Gesamtkorpus. Tübingen 1991, S. 672f. Um unechte Frauenlieder, d.h. von männlichen Dichtern verfaßte Frauenklagen über den Tod des Geliebten handelt es sich dagegen bei zwei wohl miteinander in Verbindung stehenden Liedern von Hartmann von Aue und Reinmar dem Alten (Minnesangs Frühling 217,14 und 167,31; vgl. Text, Übersetzung und Kommentar in: Frauenlieder des Mittelalters. Hg. v. I. Kasten. Stuttgart 1990, Nr. XXIV und XXVII). Andere Beispiele aus dem Minnesang sind nicht bekannt.Google Scholar
  9. 9.
    A. Rieger 1991, S. 668–672.Google Scholar
  10. 10.
    Text und Übersetzung, auch im folgenden, ebd., S. 662–664.Google Scholar
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    Vgl. zu diesem planh E. Schulze-Busacker: „Topoi“; in: F.R.P. Akehurst u. J.M. Davis (Hg.): Handbook of the Troubadours. Berkeley 1995, S. 421–440.Google Scholar
  12. 12.
    Text, auch im folgenden, ebd., S. 425–427 (nach Le rime di Bonifaci Calvo. Hg. v. F. Branciforti, Catania 1955).Google Scholar
  13. 13.
    So etwa, wenn Giacomo Lentini das Sonett Madonna à ‘n sé vertute con valore mit den Versen beschließt: „e credo ben, se Dio l’avesse a fare, / non vi mettrebbe sì su’ ‘ntendimento, / che la potesse simile formare.“ („und ich glaube, daß, wenn Gott sie zu schaffen hätte, / er sein Vermögen nicht so einsetzen würde, / daß er sie in gleicher Perfektion bilden könnte.“) Text nach B. Panvini (Hg.): Poeti italiani della corte di Federico II. Catania 1989, S. 71. — Die extreme Idealisierung hat einen Philologen unserer Tage dazu verführt, die engelgleiche Dame der Sizilianer als panegyrische Allegorie auf Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen zu verstehen. Vgl. dazu kritisch und zusammenfassend S. Neumeister: „Gralshüter und ihre Kritiker. Betrachtungen zum literaturwissenschaftlichen Dialog und ein Selbstversuch“; in: J. Schönert (Hg.): Literaturwissenschaft und Wissenschaftsforschung. DFG-Symposion 1998. Stuttgart 2000.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu im Überblick T. Barolini: „Dante and the lyric past“; in: R. Jacoff (Hg.): The Cambridge Companion to Dante. Cambridge 1993, S. 14–33.Google Scholar
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    Dante Alighieri: Vita Nuova. Hg. v. M. Colombo. Mailand 1993, S. 156.Google Scholar
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    Dante Alighieri 1993, S. 153. Vgl. dazu R. Bettarini: „‘Che debb’io far?’ (RVF CCLXVIII)“; in: Lectura Petrarce 7, 1987, S. 187–199.Google Scholar
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    P. Zumthor: Langue, texte, énigme. Paris 1975, S. 188. Zu den Problemen einer Einführung des Ich in den höfischen Diskurs vgl. ebd., S. 165–196 („Autobiographie au Moyen Age?“ und „Le je de la chanson et le moi du poète“).Google Scholar
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    Zu Ausiàs March als Dichter des epochalen Übergangs S. Neumeister: „Amor und Fortuna bei Ausiàs March (Lied XXIV)“; in: D. Briesemeister u. A. Schönberger (Hg.): Ex nobili philologorum officio. (Festschrift für Heinrich Bihler zu seinem 80. Geburtstag). Berlin 1998, S.133–142.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

Authors and Affiliations

  1. 1.Freie Universität BerlinDeutschland

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