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Aspekte der ‘femme machine’ bei Hesiod, Villon, Marot, Marino und Hoffmannswaldau

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Zusammenfassung

Daß Frauen den Männern zum Verderben gereichen, ist der Literatur seit alters vertraut. An der Stammutter aller Frauen — der mythischen Pandora — hat Hesiod die Mittel bereits vorgeführt, über die Frauen verfügen, um ihr unheilvolles Werk an den Männern zu verüben. Diese Mittel verdankt Pandora den Gaben mehrerer Götter, die sie auf Geheiß des Zeus als ein Ensemble verschiedener Reize und Fähigkeiten schufen. Mit ihr wollte er den Frevel des Titanen Prometheus gestraft sehen, der gegen den Willen des olympischen Gottes den Menschen das Feuer überbrachte.1 Die Allbeschenkte — so die Bedeutung des Namens Pandora — sollte über alle Reize verfugen, die Männer dazu verführen können, sie zu umarmen, obwohl sie „ihr eigenes Weh“ dabei ans Herz drücken.2 Als ob es sich um die Fabrikation eines Kunstwerks, aber nicht um die Erschaffung eines Menschen handle, greift der Schmiedegott Hephaistos zu Erde und Wasser, um den Leib der künftigen Verführerin zu kneten und zu töpfern. Leben und Stimme tat er danach hinein, damit das Weib sich auch bewegen und wirken könne. Für den „Liebreiz“ sorgte Aphrodite, die ihr diesen wie Locken „ums Haupt schüttete“.3 Doch die wichtigsten Eigenschaften steuerte der Gott der Diebe und Kaufleute bei: Hermes pflanzte der künstlichen Frau „scharwenzelnden Sinn“, „verschlagene Artung“, „Täuschung“ und „schmeichelnder Worte Gewalt“ ein.4

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität GH EssenDeutschland

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