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„The very false gallop of verses“: Shakespeares Liebeslyrik in As You Like It und Hamlet

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Zusammenfassung

Das erste Quartett des 9. Gedichts in Petrarcas Canzoniere lautet:

Quando ‘l pianeta che distingue l’ore

ad albergar col Tauro si ritorna,

cade vertú da l’infiammate corna

che veste il modo di novel colore;

Das hört sich zunächst etwas enigmatisch an, löst sich aber schnell, wenn man bedenkt, daß der Planet die Sonne ist, die nicht etwa in das ländliche Idyll eines Kuhstalls, sondern in das Sternbild des Stieres wandert und somit Mitte April die Natur zu neuem Leben erweckt. Der Frühling als die Zeit des Keimens und Sprießens ist auch die Zeit der neu entfachten Liebe. Diese Vorstellung ist zusammen mit der hier verwandten Metaphorik schon zu Petrarcas Zeit nicht unbedingt neu. Peter Brockmeier schreibt über Petrarcas Beziehung zu Vergils Georgica: „Die kosmographische Paraphrase des Frühjahrs, mit der das Sonett beginnt, […] ist das erste, aber nicht das einzige Zitat aus Vergils Text.“1 Bei aller Traditionsverbundenheit seiner Metaphorik weiß Petrarca das Sphärenmodell von Sternen und Planeten jedoch höchst wirkungsvoll für seine platonische Liebeslyrik zu verwenden. Die kosmischen Beziehungsgrößen von Firmament, Natur und Jahreszeitenwechsel bewirken in ihrer umfassenden Weise eine Absolutheit, eine übersteigerung der Liebe, die eigentlich schon damit die Unerreichbarkeit ihrer Erfüllung markiert und fast schon folgerichtig im Verzicht, in der Resignation, in Wehmut oder Tragik endet. Entsprechend lautet die letzte Zeile dieses Sonetts: „primavera per me pur non è mai.“2

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Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität PotsdamDeutschland

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