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Unter Innovationsdruck: Autorinnen der Literarischen Moderne

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Zusammenfassung

»In Ibsens Auftreten als Vorkämpfer der Frauenbewegung wird eine spätere Zeit vielleicht sein Hauptverdienst und seine unvergängliche Bedeutung erblicken, hier war er der unleugenbar bahnbrechende, sein ›Puppenheim‹ ist das dramatische Evangelium in diesem Streit und eben hier ließ er seine Nora mit einseitigster Betonung des Rechtes auf Persöhnlichkeit, unbeirrt von jeder anderen Pflichtidee vorhergehen.«1 Mit Bewunderung, aber auch Polemik und Ablehnung reagierten nicht nur Literaturkritiker2 wie hier der Literaturwissenschaftler Emil Reich, sondern auch viele Autorinnen der literarischen Moderne auf Ibsens Drama Ein Puppenheim. So hat etwa die Schriftstellerin Laura Marholm3 in ihrem Aufsatz Die Frauen in der skandinavischen Dichtung aus dem Jahre 1890 über die Figur Nora4 formuliert, »aus solchen halb verängstigten, halb verbitterten und ganz wirbligen Noras bestanden die Vortruppen der Frauenbewegung«5, und die Größe Ibsens bestand für sie darin, daß er »das Programm der Emancipationsdamen formulirte, ehe sie selbst es stammeln konnten.«6 Die Übersetzerin und Literaturkritikerin Marie Herzfeld hat demgegenüber in ihrer Studie Die skandinavische Literatur und ihre Tendenzen aus dem Jahre 1897 trotz Kritik am Konstruktionscharakter der Figuren hervorgehoben, daß durch Ibsen erstmals »das selbständige Weib«7 auf die Bühne gebracht worden sei. Lou Andreas-Salomé kommt in ihrem 1906 erschienenen Buch Henrik Ibsens Frauen-Gestalten wiederum zu dem Schluß, daß mit Ibsens weiblichen Protagonisten erst der Beginn eines Emanzipationsweges aufgezeigt werde, von dem noch nicht entschieden sei, wohin er die Frauen führen wird; dies sieht sie vor allem in der Figur der Nora angelegt: »Noch sagt ihr nichts, ob sie den Weg durch dieses Dunkel finden, ob sie ihr Ziel erreichen werde.«8

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Literatur:

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