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Vorwort: zu einem geplanten Buch über Hobbes (1931)

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Zusammenfassung

Die Frage nach der rechten Ordnung des Zusammenlebens — nach seiner »natürlichen« Ordnung, nach dem Naturrecht — drängt sich angesichts der herrschenden Anarchie jedem Unbefangenen auf. Der Mut zu ihrer Beantwortung ist freilich nach den entmutigenden Erfahrungen, die man mit den naturrechtlichen Bestrebungen gemacht hat, gering. Diese Erfahrungen haben schon seit geraumer Zeit Viele zu gänzlicher Verwerfung der Idee des Naturrechts geführt. Scheint doch die Erfahrung gelehrt zu haben, dass in der Wissenschaft vom Naturrecht keine geringere Anarchie besteht als im Zusammenleben selbst. Seitdem das traditionelle Naturrecht vor allem durch den Angriff des Hobbes erschüttert worden ist, sind sich die gegensätzlichsten naturrechtlichen Doktrinen in schnellem Wechsel gefolgt; das Naturrecht erschien als so willkürlich wie jede individuelle Überzeugung, die, wenn mit der erforderlichen Kraft vertreten und auf schon vorhandene »reale« Tendenzen gestützt, wohl zur Bildung einer Partei, aber niemals zur Gründung und Festigung des Staats führen kann. Dies ist in der Tat das Ergebnis, zu dem eine neuere Kritik am Naturrecht kommt. »Wenn schon der einzelne Mensch seine jeweiligen Interessen naiv als ›Recht‹ erlebt, um wieviel mehr will jede Interessengruppe zur Durchsetzung ihrer Forderungen sich auf die Gerechtigkeit (sc. auf das Naturrecht) berufen können« (Kelsen, Die philosophischen Grundlagen der Naturrechtslehre und des Rechtspositivismus, Charlottenburg 1928, 77).

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