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Höllenfahrt des Heinrich Heine Anlass und Anliegen einer literarischen Maskerade

  • Heribert Rissel
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Zusammenfassung

Er war gerade ein halbes Jahr tot, der nach langem Krankenlager im Februar 1856 elend gestorbene Heinrich Heine — da betrat er wieder die literarische Bühne. Aus dem Totenreich hielt er Gericht über die Künste und Künstler, ein Übergott aller Kunstschöpfung seiner Zeit. Aufgemacht, als sei er der Verfasser, machte ein in Hannover erschienenes Büchlein in der literarischen Szene Deutschlands wie überhaupt in kunstinteressierten Kreisen Furore: »Höllenfahrt. Von Heinrich Heine«.1 Dem aus der Welt abberufenen Dichter wird am Himmelstor von Petrus der Zutritt zum Reich der Seligen verwehrt. Es bleibt dem Abgewiesenen nichts anderes übrig, als zur Hölle zu fahren. Bevor er in den ewigen Gluten brennen wird, berichtet er seinen Schicksalsgenossen, was er bei einer tour d’horizon durch die Künste und Kunstwelt wahrgenommen hat, nicht ohne zuvor mit spitzen Bemerkungen vor den höllischen Leidensgenossen über sein eigenes Leben und Schreiben zu lästern. Die virtuelle Totenreise, eigentlicher Inhalt der Verssatire, ist eine Erkundigung nach dem angeblichen »Kunstwerk der Zukunft«, das Poesie, bildende Kunst und Musik miteinander verbinde. Unter dem Vorwand dieser Suche lässt Heine sie Revue passieren, die Dichter und Maler, die Baumeister und Komponisten. Über die wenigen Gerechten vor seinem Richterstuhl stimmt er verhalten Loblieder an. Gegen jene, die beim Maßnehmen mit der Elle seines Kunstverständnisses nicht bestehen, richtet sich in saloppen Versen der Bannstrahl des ominösen Oberrichters von eigenen Gnaden. Es ist etwa 150 Jahre her, dass die literarisch interessierte Öffentlichkeit von dem merkwürdigen Elaborat aufgeschreckt wurde; Anlass, dieses literarische Scharmützel einmal genauer in den Blick zu nehmen und nach dem Motivhintergrund zu fragen.

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Anmerkungen

  1. 11.
    Prinz Minnewin. Ein Sommerabendmärchen von Wolfgang von Königswinter. Köln 1854. — Rothmantel. Lustspiel in 5 Aufzügen. Manuskript für Bühnen. Köln 1854.Google Scholar
  2. 13.
    Etwa bei Herbert Clasen: Heinrich Heines Romantikkritik. Tradition — Produktion — Rezeption. Hamburg 1979, S. 277ff;Google Scholar
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  4. 22.
    Friedrich Sengle: Biedermeierzeit. Deutsche Literatur im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution 1815–1848. Bd. II. Stuttgart 1972, S. 739; Stern [Anm. 13], S. 50f. Bei dem verbreiteten und wohl so weniger reflektierten nationalen Patriotismus im frühen 20. Jahrhundert bildet in dieser Zeit Müllers Deutschtümelei für Bearbeiter des »Höllenfahrt«-Themas keinen des Bemerkens werten Aspekt, so für Aschner [Anm. 7]Google Scholar
  5. und Adolf Kohut: Wolfgang Müller von Königswinter und Heinrich Heine. — In: Neues Wiener Journal Nr. 8061, v. 9.4.1916, S. 9.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2007

Authors and Affiliations

  • Heribert Rissel
    • 1
  1. 1.UnkelDeutschland

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