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Die Heine-Konferenz 1956 in Weimar

  • Dieter Schiller
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Zusammenfassung

1956 stand — nach Goethe und im Jahr zuvor Schiller — Heinrich Heine auf dem offiziellen Feiertagskalender der DDR: sein 100. Todestag stand ins Haus. Kulturpolitisch war das ein glücklicher Zufall, denn damit ergab sich die Möglichkeit, im öffentlichen Bewusstsein des Landes eine Art Triade der Gipfelfiguren deutscher Nationalliteratur als Orientierungsgrößen zu propagieren. Heine, als »Abschluß und letzter Höhepunkt der Literaturepoche des aufstrebenden Bürgertums« und zugleich »Vorläufer des sozialistischen Denkens«1 aufgefasst, sollte sozusagen den Bogen schlagen zur Gegenwart des sozialistischen Aufbaus. Dass die deutsche Arbeiterbewegung es war, die das Werk des politischen Heine beim kulturbewussten Teil ihrer Mitglieder lebendig gehalten und gewürdigt, es gegen reaktionäre Verfälschung und Diffamierung verteidigt hat, war ja eine unbestreitbare Tatsache, an die angeknüpft werden konnte. Man darf davon ausgehen, dass — nach dem Modell des Schiller-Jahres — ursprünglich eine republikweite kulturpolitische Heine-Kampagne geplant war. Sie sollte wohl — nach dem Schriftstellerkongress — mit Heine ein Urbild und Vorbild schriftstellerischen Engagements vorstellen, einen Schriftsteller, der als Lyriker, Journalist und Publizist künstlerische Meisterschaft, philosophischen Weitblick und eingreifende politische Haltung in sich verband. Wenn aus solch hoch-fliegenden Plänen wenig wurde, ist das nicht zuletzt den Zeitumständen geschuldet. Kurz nach dem Jubiläumstag — am 25. Februar — brachte die in der Internen Sitzung des XX. Parteitages der KPdSU vorgetragene Rede Nikita Chruschtschows »Über den Personenkult und seine Folgen«2 ganz andere Gedanken in Bewegung.

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Anmerkungen

  1. 2.
    Josef Gabert und Lutz Pries (Hrsg.): SED und Stalinismus. Dokumente aus dem Jahre 1956. Berlin 1990, S. 8 ff.Google Scholar
  2. 14.
    Hans Kaufmann: Politisches Gedicht und klassische Dichtung. Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen. Berlin 1958 (Das Vorwort ist auf Dezember 1956 datiert. D. S.)Google Scholar
  3. 27.
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  4. 29.
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  5. 42.
    Vgl. dazu Wolfgang Harich: Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Zur nationalkommunistischen Opposition 1956 in der DDR. Berlin 1993, S. 54. — Siehe auch Siegfried Prokop: Ich bin zu früh geboren. Auf den Spuren Wolfgang Harichs. Berlin 1997, S. 93.Google Scholar
  6. 49.
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2007

Authors and Affiliations

  • Dieter Schiller
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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