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Verstehen, wie die Götter sind

Zum Verhältnis von Theologie und Metaphysik in Platons ›Politeia‹
  • Michael S J Bordt

Zusammenfassung

Über Wissen und über Bildung wird heutzutage in zwei verschiedenen Kontexten diskutiert. Wer über Wissen nachdenken möchte, wird an die Philosophie verwiesen. Es ist die Erkenntnislehre, die den Wissensbegriff klärt. Wer über Bildung nachdenken möchte, wird sich für die bildungspolitische Diskussion interessieren, er wird vielleicht Pädagogik studieren, die Debatten in den Feuilleton-Teilen von Zeitungen verfolgen — jedenfalls wird er kaum auf die Idee kommen, sich in eine Philosophievorlesung zu setzen. Was heute weitgehend in zwei verschiedenen Kontexten abgehandelt wird, gehörte für den griechischen Philosophen Platon zusammen. Platons These ist, dass ohne ein Wissen darum, wozu man erziehen und bilden soll, jede Diskussion über Erziehung und Bildung in der Luft hängt. Es kann keinen philosophieunabhängigen Diskurs über Erziehung und Bildung geben. Ein Wissen darum, wozu man einen Menschen erziehen und bilden soll, setzt ein Wissen darüber voraus, was ein dem Menschen mögliches gutes Leben ist, auf das hin es einen Menschen zu erziehen und zu bilden lohnt. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, anhand eines Beispiels aus der Politeia die Zusammengehörigkeit von Wissen und Erziehung oder Bildung (gr. paideia) herauszuarbeiten. Kein anderer Dialog macht diesen Zusammenhang so deutlich. Auf der einen Seite enthält dieser Dialog ein detailliertes Bildungsprogramm, auf der anderen Seite entwickelt er, zumindest in Ansätzen, den Wissensbegriff. Das Beispiel ist die Frage nach dem Verhältnis der Aussagen über Gott und die Götter im zweiten Buch der Politeia zu der Idee des Guten im sechsten und siebten Buch.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2006

Authors and Affiliations

  • Michael S J Bordt
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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