Advertisement

Der Wissensbegriff bei Platon und heute

  • Franz von Kutschera

Zusammenfassung

In Platons Dialogen spielt der Begriff des Wissens eine herausragende Rolle. Sie ergibt sich schon daraus, dass er in der Apologie seinen Mentor Sokrates erklären lässt, der Spruch des delphischen Orakels, niemand sei so weise wie Sokrates — dieser Spruch ist wohl historisch —, sei so zu deuten, dass allein er sich bewusst sei, nichts zu wissen. (Vgl. Apol. 21a–d.) Da jedermann im landläufigen Sinn offenbar vieles weiß — wie er heißt, z.B., oder dass die Sonne im Osten aufgeht —, lässt sich diese Behauptung eines generellen Nichtwissens nur dann vertreten, wenn man einen anspruchsvolleren Wissensbegriff zugrunde legt als den normalen. Schon zur Zeit der Abfassung der Apologie hatte Platon also vermutlich einen solchen Wissensbegriff vor Augen und eine Vorstellung vom höheren Wert solchen Wissens. Jedenfalls kann man im Blick auf die späteren Dialoge sagen: Platon hat die große antike Philosophie mit der Verkündung eines neuen Wissensideals eröffnet, ebenso wie das Descartes für die neuzeitliche Philosophie getan hat. In beiden Fällen verbindet sich damit die Vision einer neuen Qualität, eines neuen Horizonts und einer neuen Fortschrittsdynamik menschlicher Erkenntnis.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Fichte, J. G.: »Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre«, in: Philosophisches Journal VII (1797/98) 1–20; auch in: Fichtes Werke, 11 Bde., Nachdruck der Ausgabe von I. H. Fichte 1834/35 und 1845/46, Berlin 1971, Bd. I.Google Scholar
  2. Gettier, E. 1963: »Is Justified True Belief Knowledge?«, in: Analysis 23, 121–23.CrossRefGoogle Scholar
  3. Guthrie, W. K. 1962: A History of Greek Philosophy, 6 Bde., Cambridge.Google Scholar
  4. Hale, B. 1987: Abstract Objects, Oxford.Google Scholar
  5. Heitsch, E. 1979: Parmenides und die Anfänge der Erkenntniskritik und Logik, Donauwörth.Google Scholar
  6. Kutschera, F. v. 1989: »Bemerkungen zur gegenwärtigen Realismusdiskussion«, in: Traditionen und Perspektiven der analytischen Philosophie, Festschrift für Rudolf Haller, hrsg. von W. L. Gombocz, H. Rutte, W. Sauer, Wien, 490–521.Google Scholar
  7. Kutschera, F. v. 1998: Die Teile der Philosophie und das Ganze der Wirklichkeit, Berlin.CrossRefGoogle Scholar
  8. Kutschera, F. v. 2002: Platons Philosophie, 3 Bde., Paderborn.Google Scholar
  9. Kutschera, F. v. 2004: Ausgewählte Aufsätze, Paderborn.Google Scholar
  10. Kutschera, F. v. 2004a:»Intervenierende Beobachtungen und die Quantenmechanik« in: Kutschera 2004, 303–322.Google Scholar
  11. Kutschera, F. v. 2004b: »Eine logische Analyse des sprachwissenschaftlichen Feldbegriffs,« in: Kutschera 2004, 63–74.Google Scholar
  12. McDowell, J. 1973: Plato. Theaetetus, Oxford.Google Scholar
  13. Runciman, W. C. 1962: Plato’s Later Epistemology, Cambridge.Google Scholar
  14. Stemmer, P. 1992: Platons Dialektik. Die frühen und mittleren Dialoge, Berlin.CrossRefGoogle Scholar
  15. Vlastos, G. 1965: »Degrees of Reality in Plato«, abgedr. in: Ders., Platonic Studies, Princeton (21981).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2006

Authors and Affiliations

  • Franz von Kutschera
    • 1
  1. 1.RegensburgDeutschland

Personalised recommendations