Epilog: Jerusalem 1932

  • Philipp Theisohn

Zusammenfassung

Die Schrift, um deren Verständnis willen wir lange Wege gegangen sind, Wege, die uns immer wieder an den Grenzläufen von Politik und Ästhetik entlanggeführt haben, muß dem rätselhaft bleiben, der sie nur aus einer Blickrichtung zu lesen versucht. Sie sperrt sich gegen ihre Subsumierung unter die Gesetze des Ästhetischen, indem sie darauf beharrt, in ihrer Bedeutungsstiftung nicht mit sich handeln zu lassen, in ihrer Räumlichkeit verantwortlich zu sein. Gleichsam findet sie kein Ende, muß sie den Gründungsakt einer neuen jüdischen Identität unablässig und auf allen Ebenen wiederholen, bleibt darin zeichenhaft und unterläuft somit eine Konzeption des Politischen, der die Dezision alles und die Exegese nichts bedeutet, die Souveränität immer nur unvermittelt, nicht als Gegenstand einer Inszenierung denken kann. In all unseren zurückliegenden Betrachtungen zeigte sich, daß der Zionismus sich nie aus besagter Zwischenstellung gelöst, sich entschieden hat, sondern daß die ihn durchwirkende Kulturalität maßgeblich in der Entwicklung von Übergangsmechanismen besteht, mit deren Hilfe das Papier für die Erde, das Gesetz für die Geschichte eingetauscht werden kann. Gewonnen ist uns dadurch eine Poetik, die der Moderne den Stachel der Negativität nimmt und sie in die Richtung dessen lenkt, was wir im Hebräischen ›Hagshamah‹ (worin die Materialität, das Körperliche dieses Vorgangs unabtrennbar mitgeführt wird), im Deutschen bestenfalls ›Verwirklichung‹ nennen.

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Notizen

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2005

Authors and Affiliations

  • Philipp Theisohn

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