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Der Text und der Tempel. Eine Vorgeschichte

  • Philipp Theisohn

Zusammenfassung

Vom Raum ist die Rede. Wenn der Raum kollabiert, werden aus Zeichen Fragmente, ist er durchlässig, erlangen sie Vieldeutigkeit, aus seiner Stasis erwächst ihre Hermetik. Das Wort ist stumm, wo der Raum noch nicht ist und wenn es ihn betritt, dann stirbt es. Längst ist, Aristoteles und Lessing zum Trotz, der Verräumlichung des Textes enorme Aufmerksamkeit zuteil geworden. Der Strukturalismus hat die Grenzen, die verbale und visuelle, temporale und spatiale Ausdrucksform trennten, fließend gemacht, statt dessen spricht man nun von Texturen.3 In Geertz’ Definition von Kultur als einem vom Menschen selbst gesponnenen und ihn umstrickenden Bedeutungsgewebe ist besagter Grenzübertritt nicht zuletzt den ›Cultural Studies‹ zur Grundlage geworden. Die zahlreichen Untersuchungen zur Frage der Intermedialität und zum Verhältnis von Literatur und Bildlichkeit sind diesen Transgressionen ein ums andere Mal nachgegangen, die Phänomene der Ekphrasis und der Ikonologie sind bis ins Zentrum literaturwissenschaftlicher Debatten vorgestoßen.4 Man hat damit begonnen, Metropolen zu entziffern5, das Schreiben zu kartographieren6 und Karten zu lesen7, räumliche Bewegung als das Verfassen eines Textes zu begreifen.8 Im Bewußtsein einer Gegenwart, »où le monde s’éprouve […] moins comme une grande vie qui se développerait à travers le temps que comme un réseau qui relie des points et qui entrecroise son écheveau«9, muß vom Raum die Rede sein.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2005

Authors and Affiliations

  • Philipp Theisohn

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