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Sozialstaatlichkeit unter den Bedingungen moderner Wirtschaft

  • Franz-Xaver Kaufmann
Part of the Sozialpolitik und Sozialstaat book series (SOZPOL)

Zusammenfassung

Was gemeinhin als Sozial- oder Wohlfahrtsstaat bezeichnet wird, fristet ein theorieloses Dasein zwischen Rechtswissenschaft (Sozialrecht), Wirtschaftswissenschaft (Transferökonomie) und den einschlägigen soziologischen und politikwissenschaftlichen Analysen. Zwar hat im deutschen Sprachraum die Aktivität des „Vereins für Socialpolitik“ der praktischen Sozialpolitik schon früh eine akademische Grundlage gegeben, und auch in Großbritannien werden einschlägige Fragen im Rahmen eines eigenständigen Faches „Social Administration“ abgehandelt, doch handelt es sich dabei im Wesentlichen um historische, institutionenkundliche und an Reformen von Einzelmaßnahmen orientierten Erörterungen. Erst in jüngster Zeit finden sich Bemühungen, den Gesamtzusammenhang der international meist als ‚wohlfahrtsstaatlich‘ bezeichneten Entwicklungen historisch und international vergleichend aufzuarbeiten (Ritter 1989; Schmid 1996; Schmidt 1998). Aber auch hierbei dominiert ein induktives Verfahren. Es gibt bis heute nur wenige Versuche, die sozialstaatliche Problematik systematisch mit Fragen der Staatstheorie, der ökonomischen Ordnungstheorie oder der soziologischen Steuerungs- und Gesellschaftstheorie, aber auch der Ethik zu verbinden. Und insoweit dies geschieht, so zumeist mit einer charakteristischen disziplinären Einseitigkeit.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Franz-Xaver Kaufmann

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