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Schwindet die integrative Funktion des Sozialstaates?

  • Franz-Xaver Kaufmann
Part of the Sozialpolitik und Sozialstaat book series (SOZPOL)

Zusammenfassung

Für die europäischen Wohlfahrtsstaaten ist längerfristig mit einem günstigenfalls mäßig wachsenden Sozialprodukt zu rechnen, das von einem sinkenden Anteil der Bevölkerung produziert wird und daher ein höheres Maß an Umverteilung zugunsten der Nicht-Erwerbstätigen oder eine Absenkung ihrer Versorgungsstandards erfordert. Gleichzeitig ist eine Erosion der nationalstaatlichen Autonomie zu berücksichtigen: Wachsende Abhängigkeiten von der Weltmarktentwicklung und die Verschiebung wirtschaftspolitischer Zuständigkeiten auf die europäische Ebene wirken als Restriktionen für die voraussichtlich auf nationalstaatlicher Ebene verbleibende Sozialpolitik.

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Literatur

  1. 1.
    Hayek 1980: 99f.; vgl. bereits Hayek 1957. Eine differenzierte Darstellung und Kritik der Position Hayeks gibt Prisching 1989.Google Scholar
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    „The core of a society as a system, is the patterned normative order through which the life of a population is collectively organized. As an order, it contains values and differentiated and particularised norms and rules, all of which require cultural references in order to be meaningful and legitimate. As a collectivity, it displays a patterned conception of membership which distinguishes between those individuals who do and do not belong.“ (Parsons 1966: 10)Google Scholar
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    Dem unterliegt selbstverständlich ein gesellschaftsdiagnostisches Interesse: „Das Prinzip der Inklusion ersetzt (!) jene Solidarität, die darauf beruhte, daß man einer und nur einer Gruppe angehörte.“ (Luhmann 1980: 31) Parsons dagegen hält fest, daß Solidarbeziehungen auch die Einheit komplexer Gesellschaften fundieren.Google Scholar
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    Diese Unterscheidung wurde von Kohli (1996: 160f.) vorgeschlagen, um die Differenz zwischen genetischen und wirkungsbezogenen Betrachtungsweisen der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung zu verdeutlichen.Google Scholar
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    Genauer: In der Produktionssphäre bleibt das Privateigentum und die unternehmerische Dispositionsfreiheit grundsätzlich gewahrt; beide werden allerdings einschränkenden Bedingungen unterworfen. In der Verteilungssphäre wird die marktwirtschaftlich resultierende primäre Einkommensverteilung durch eine staatlich organisierte sekundäre Einkommensverteilung korrigiert. In der Reproduktionssphäre werden die Leistungen der privaten Haushalte durch öffentlich organisierte oder wenigstens regulierte Dienstleistungen des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesens ergänzt und unterstützt. Vgl. Kaufmann 1997: 27f.Google Scholar
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    Der ökonomisch-moralische Doppelcharakter der „Wohlfahrtsökonomie“ wird auch von Münch (1994) hervorgehoben, während Stichweh (1988: 286f.) in Fortführung des Luhrnannschen Inklusionskonzeptes den symbolischen Aspekt als „Begleitsemantik“ faßt.Google Scholar
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    Peters (1993: 96ff.) unterscheidet ebenfalls drei Integrationsformen: funktionale Koordination, moralische Integrität und expressive Gemeinschaft. Diese Systematik scheint mir jedoch die Spannung zwischen Recht und Moral zu unterschlagen und mit der „expressiven Gemeinschaft“ ein dem kommunitaristischen Zeitgeist nahestehendes Konstrukt in Vorschlag zu bringen.Google Scholar
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    Hierzu ausführlicher Kaufmann 2000.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Franz-Xaver Kaufmann

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