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Wohlfahrt, Arbeit und Staat unter den Bedingungen von Individualisierung und Globalisierung

  • Franz-Xaver Kaufmann
Part of the Sozialpolitik und Sozialstaat book series (SOZPOL)

Zusammenfassung

Die Wirtschaft, die sich auf die Grundsätze des Liberalismus berufende freie Marktwirtschaft, ist der wichtigste Motor nicht nur technischer Innovationen und wirtschaftlicher Fortschritte, sondern auch des sozialen und nicht selten des politischen Wandels. Manche werfen deshalb dem wirtschaftlichen Fortschritt vor, er sei blind für seine sozialen und politischen Folgen. Die Auseinandersetzung zwischen den wirtschaftsliberalen Fortschrittsoptimisten und den bald konservativen, bald sozialreformerischen Fortschrittsskeptikern (ich lasse die ebenfalls fortschrittsoptimistischen, aber historisch wenig erfolgreichen revolutionären Sozialisten außer Betracht) dauert nun schon zwei Jahr-hunderte und hat in jüngster Zeit erneuten Auftrieb erhalten. Zwar haben sich die Interpretationen der Sachlage und die Schlagworte, mit denen die ideologischen Kämpfe ausgetragen wurden, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gewandelt, aber an der Grundkonstellation hat sich vergleichsweise wenig geändert: Stets ging es um die Frage nach dem Verhältnis von als antagonistisch deklarierten Größen: Von Marktwirtschaft und Staat, von Ökonomie und Moral, von Wachstum und Verteilung, von Freiheit und Sicherheit. Und doch zeigt gründliches Nachdenken, daß diese Größen so zusammengehören wie Motor und Bremsen: Je stärker das eine, desto notwendiger das andere. Die neuzeitliche Entwicklung ist die Erfolgsgeschichte der gleichzeitigen Steigerung von Selbststeuerung und Fremdsteuerung.

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Literatur

  1. 1.
    Die folgende Darstellung orientiert sich an Kaufmann 1997, bes. 21 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Dementsprechend bestimmt der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde die Aufgabe von Sozialstaatlichkeit als Gewährleistung der „sozialen Voraussetzungen der Realisierung grundrechtlicher Freiheit“ (Böckenförde 1976: 238).Google Scholar
  3. 3.
    Eine differenzierte Begründung findet sich nunmehr bei Huf 1998.Google Scholar
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    Für einen systematischen Vergleich von familialem Wandel und Familienpolitik in den meisten europäischen Staaten vgl. Kaufmann/Kuijsten/Schulze/Strohmeier 1997–2002.Google Scholar
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    Dieses Problem ist durch AHV-Reform von 1995 in der Schweiz in international vorbildlicher Weise gelöst worden.Google Scholar
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    Sonntagszeitung vom 1. März 1998, S. 21.Google Scholar
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    „Anomie bedeutet den Geisteszustand von jemandem, der seinen moralischen Wurzeln entrissen ist, der keine MaBstäbe mehr hat, sondern nurmehr unzusammenhängende Antriebe, der keinen Sinn für Kontinuität, für gewachsene Gruppen, für Obligationen mehr hat. Der anomische Mensch ist geistig steril geworden, nur auf sich selbst bezogen, niemendem verantwortlich. Er mokiert sich über die Werte anderer Menschen. Sein einziger Glaube ist die Philosophie des Neinsagens. Er lebt auf der schmalen Linie des Empfindens zwischen der fehlenden Zukunft und der fehlenden Vergangenheit... Anomie ist ein Geisteszustand, in dem der Sinn des Individuums für sozialen Zusammenhalt — die Hauptquelle seines moralischen Halts — gebrochen oder tödlich geschwächt ist.“ (Robert MacIver, zit. bei Dahrendorf 1984: 39).Google Scholar
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    Zu unterschiedlichen Dimensionen der Entsolidarisierung vgl. Kaufmann 1997 a: 16.Google Scholar
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    Für eine Vor- und Nachteile abwägende Darstellung vgl. Kulessa 1996.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Franz-Xaver Kaufmann

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